Verfasst von: Manuel | 14.04.2009

Theodor Reppe schießt Wikileaks ins Knie

Die Probleme mit der Pressemitteilung von Wikileaks.org zur Schließung ihrer .de-Domain werden immer größer. In einer heute nachgeschobenen Darstellung erklärt Wikileaks.org nun unter Anderem:

Im November und Dezember 2008 veröffentlichte Wikileaks sensitive Informationen zum Bundesnachrichtendienst (BND), dem deutschen Auslandsgeheimdienst. Dies beinhaltete unter anderem Dokumente zu Korruption im Kosovo, wie auch eine Liste mit verdeckten Internet Adressen die vom BND unter dem Decknamen “bvoe.de” genutzt wurden.

[...]

Über das Bekanntwerden der Adressen aufgedeckte Aktivitäten des BND wurden im Internet diskutiert, so zum Beispiel im Heise Forum.

In der Diskussion bei Heise ging es um die nicht den Richtlinien entsprechende Registrierung der Internetdomain des BND, “BND.de”. Es wurde festgestellt, dass die DeNIC Richtlinien durch die Registrierung verletzt wurden. So war die Domain zum Beispiel nicht auf eine physische Adresse sondern ein Postfach registriert. Der BND, so die Diskussion, habe nach DeNIC Verordnung somit keinen formalen Besitz der Domain da die Registrierung nicht den Ansprüchen für eine deutsche Domain gerecht würde.

Um die Ungleichheit der Anforderungen für den BND gegenüber einer normalen Registrierung zu testen, stellte der Wikileaks.de Inhaber, Theodor Reppe, einen Antrag zum Transfer der BND.de Domain bei seinem DeNIC-Mitglieds “Beasts Associated” in Hamburg, über den auch die Wikileaks.de Domain registriert war.

Wie zu erwarten wurde dem Antrag direkt widersprochen.

“Sehr geehrter Herr Reppe,

Sie haben die Domain

bnd.de

per Transfer angefordert. Es handelt sich hierbei – unschwer zu erkennen – um die Domain des Bundesnachrichtendienstes.

Da es sich hierbei um eine bedeutende Domain handelt, bitten wir Sie umgehend das entsprechende Transfer-Fax und OwnerChange-Formular an uns zu senden.

Bis zu Klärung dieses Vorfalls haben wir Ihren Account gesperrt.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Teixeira”


Allerdings versuchte der Registrar auch direkt das Vertragsverhältnis für alle von Herrn Reppe registrierten Domains aufgrund von “Vertragsbruch” aufzulösen.

Da Herr Reppe für ein volles Jahr im Voraus bezahlt hatte, wurde in einem Telefonat mit der Supporthotline im Januar abgemacht, dass “Beasts Associated” die Domains nicht vor Ablauf der schon bezahlten Zeit transferieren würde.

Entgegen dieser Abmachung transferierte der Registrar die Domains in der letzten Woche, und entliess Herrn Reppe mit mehr als 30 nicht funktionierenden Domains in das Osterwochenende. Betroffene Domains schliessen seinen populären Tor Node, zwei Filmprojekte und die Domainnamen von non-profit und open-source Gruppen mit ein.

Herrn Reppe wurde nicht mitgeteilt, dass man sich entschieden hatte die mündliche Vereinbarung mit der Supporthotline aufzuheben. Die Gründe für die spezifische Zeitwahl, neun Tage nach dem Ablauf der 3-monatigen Kündigungsfrist des Providers, bleiben unbekannt und können, aber müssen nicht, in Zusammenhang mit der Hausdurchsuchung wegen der australischen Filterlisten stehen.

Der Transfer am Donnerstag abend erfolgte mehr als zwei Stunden nach Geschäftsschluss der DeNIC Büros, und am Abend vor dem langen Osterwochenende.

Entgegen der pro-forma Aussage auf der nun angezeigten DeNIC Seite auf die Leser gelangten die Wikileaks.de aufgerufen hatten, war der Domaininhaber nicht informiert worden, und es wurden ihm auch keine Informationen übermittelt um die Domain umziehen zu können. Dies machte (und macht noch immer) die Domain unnutzbar. In einer Antwort auf eine eMail von Wikileaks, erklärte DeNIC am Sonntag, dass ein Brief an Herrn Reppe voraussichtlich am Dienstag verschickt würde.

Kurz und bündig: Theodor Reppe hat eine schriftliche Kündigung erhalten, beruft sich jetzt auf etwas, das telefonisch zugesagt worden sein soll, aber nirgendwo schwarz auf weiß steht und beschwert sich nun, dass das Schriftliche Bestand hat und die dahingesagten Worte nicht. Das ist, wohlwollend gesagt, naiv.

Bei allem Respekt vor den wie gesagt hehren Aufgaben, die Wikileaks und auch Herr Reppe als ihr deutscher Repräsentant erfüllen: Hiermit hat der Gute der Bewegung gegen die Zensur einen Bärendienst erwiesen. Reppe hat sich im Rahmen der Kündigung seitens Beasts Associated reichlich ungeschickt verhalten und Wikileaks hat daraufhin eine Menge Lärm um nichts gemacht.
Ich hoffe schwer, dass nicht so internetaffine Mitbürger, die diese Geschichte mitbekommen haben, beim nächsten Mal nicht gleich kopfschüttelnd abwinken, wenn die Rede davon ist, dass uns wieder einmal vorgeschrieben werden soll, wie wir uns zu informieren und was wir zu denken haben.

Ich hoffe das nicht zuletzt im Interesse von Herrn Reppe, der, sollten die derzeitigen Bestrebungen für Überwachung, Zensur und Gesinnungsrecht weiterhin so erfolgreich durchgesetzt werden wie bisher, vermutlich zu den Topgefährdern des Staates gezählt werden wird.

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Responses

  1. [...] Junge, der auszog, den BND das fürchten zu lehren. Übrigens… ist “theodor:reppe” sowas wie [...]

  2. [...] Die Zusammenfassung der Geschichte, wie Theodor Reppe Wikileaks ins Knie und der gesamten Bewegung g… [...]

  3. [...] Theodor Reppe schießt Wikileaks ins Knie [...]


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