Verfasst von: Manuel | 10.02.2011

Lost Technology

Zu den Mythen unserer Kultur gehört, dass der Fortschritt immer weitergeht und wir uns unaufhaltsam immer fort entwickeln.
Dieses Fortschrittsbild gerät rasch ins Wanken, wenn man sich ansieht, was für teils erhebliche Errungenschaften in der menschlichen Geschichte bereits verloren gingen.

Ich habe mich mit Pierre kürzlich ein wenig über das ganze Themenfeld “verlorene Technologie/Kultur/Wissen” unterhalten.
Heraus kam ein ganz interessantes Gespräch über diverse untergegangene Erkenntnisse, das hiermit als Podcast vorliegt.

Obacht: Weil hier erstmals Callgraph zum Einsatz kam, von dessen Verwendung ich inzwischen nur abraten kann, ist die Tonqualität schlechter als in den ersten beiden Zivilschein-Podcasts und es gibt einige Tonsprünge, durch die zusammengenommen ein paar Minuten des Eineinviertelstundengesprächs fehlen, teilweise leider mitten in Sätzen.

Unschlüssigen seien als Entscheidungshilfe, ob man sich eine 70-Megabyte-mp3 voller Gefasel runterladen sollte, zwei kurze Anmacher nahegelegt, die ich schon über Twitter verbreitet hatte: Das Outtake “Farcry (Die Amerikaner müssen uns hassen)” aus dem unbearbeiteten Vorgespräch steht schon seit mitte Januar online, der Teaser “Pfauenfedern (Da werden wir bestimmt verklagt dafür)” ist ein Auszug aus dem Endprodukt und am Vorabend dieses Artikels entstanden.

Ergänzend zum Podcast eine Liste mit Links zu den angesprochenen Themen:

Für entfernteres Lesen empfehlen sich die beiden Cracked.com-Artikel über sechs wichtige Dinge, die die Menschheit ganz einfach vergessen hat und sieben wahnsinnig fortschrittliche Waffen, die die Geschichte irgendwie vergessen hat.
Aus ersterem Artikel könnte dem geneigten Zivilscheinleser die Große Hecke von Indien bekannt vorkommen.

Ergänzungen, Korrekturen, Anmerkungen und Diskussionsbeiträge sind wie immer ausdrücklich erwünscht und können gern in die Kommentare.


Responses

  1. […] ZivilscheinCast #3: Lost Technology [mp3, 68MB] […]

  2. Die erwähnte DeepLink-Sammlung ist übrigens “Der große Internetführer für Schüler. Die besten Adressen für alle Fächer. Spitzenzensuren durchs Internet” (jansen/dick 2000, isbn 3-625-15025-5), und DIY-Flugzeuge gibt’s hier aufgelistet: http://en.wikipedia.org/wiki/First_flying_machine#19th_century

  3. Vielen Dank, das war sehr unterhaltsam. Interessant fand ich einen Aspekt relativ zu Beginn: Die Griechen, die die Dampfmaschine erfunden haben und schlicht nicht wussten, was sie nun damit anfangen sollten. Heute scheint mir nämlich kaum noch erfunden zu werden, sondern auf ein bestimmtes Ziel hin zu entwickelt. Das ist auch logisch, die “einfachen Dinge” sind durch, in heutige Ingenieursleistungen muss zunächst viel investiert werden. Aus Spaß wird nichts mehr gemacht.

    Daraus entsteht eine Art Luxusproblem: Es erscheinen oftmals nur noch Dinge, die einen Zweck bestimmten erfüllen und sich grundsätzlich in ihrem Verwendungsraum nicht erweitern lassen. Aus einem anderen Grund als bei den Griechen entsteht dadurch kulturelle Langeweile. Und hier greift dann eben die Kultur, die vielleicht erst daraus wirklich entstanden ist, nämlich die Zweckentfremdung. Gegenstände werden aus ihrem eigentlichen Sinn herausgeholt und neu definiert. Man denke nur an den Hack von Xbox Kinect. Der Motionsensor wird für Bastler ja inzwischen für alles mögliche benutzt, nur nicht zum Spielen. Jetzt kein Lost Culture-Ding, aber ein schöner Nebenzweig.

    Was im Podcast jetzt nicht ganz so stark vorkam ist auch der Verlust von Kultur aufgrund von Urheberrechtsgeschichten (im Emu-Block wurde das ein bisschen angesprochen). Da hatte ich neulich erst einen Artikel gelesen (wurde wahrscheinlich sogar von einem von euch verlinkt), aus Sicht eines Spieleentwicklers. Die sollten irgendeinen Klassiker auf ein Smartphone portieren und hatten grundsätzlich die Rechte daran. Leider galten die Rechte für das Spiel, aber nicht für bestimmte In-Game-Aspekte. Die durften dann die Karten zwar verwenden, der Lizenzgeber durfte den Code aber nicht rausrücken, weswegen die dann händisch nachgezeichnet und mit irgendwelchen absurden Tricks eingebaut wurden.

    Und nur um Dich zu ärgern ein Link auf xkcd.com, weil er einen schönen Aspekt anspricht: Geniale Leistungen, die verloren gehen, weil sie in falschen Umgebungen feststecken. Grundsätzliche Problemlösungen, die in irgendwelchen Nutzgegenständen versacken. Ist auch beachtlich, denn nicht überall scheint der Technologietransfer so leicht vonstatten zu gehen wie bei Teleshop-Waren, deren Oberflächenbeschichtung “von der NASA entwickelt” wurden.

  4. Nicht nur Angela Merkel ist ein Androide aus der Trabifabrik. Sogar ich bin beim Touringest oder Turingtest oder wie das heisst durcht gefallen. Bitter, für Euch Menschlein

  5. […] Zum Thema passend dieser eindrucksvolle Artikel vom Blog Zivilschein. […]

  6. […] sich noch an den Zivilschein-Podcast “Lost Technology” erinnert, dem wird auch Pierre noch bekannt sein. Dieser traf mich in Berlin-Mitte, und gemeinsam […]


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