Verfasst von: Manuel | 06.04.2009

Gratis-Spiel der Woche (1): Out of Order

FrüherTM, als ich meine ersten Computerspiele gespielt habe, hatte ich keinerlei Vorstellung davon, wie die Dinger entstehen, was für eine Arbeit das ist und was überhaupt dieses Geld ist, mit dem die Erwachsenen zum Beispiel mein Mittagessen bezahlen. An neue Spiele ranzukommen, war vor allem ein Aufwand, der darin bestand, jemanden zu kennen, der welche hat, die man noch nicht kennt, sie sich bei ihm auszuleihen und sie dann zu kopieren. Ich war also ein Softwarepirat, bevor ich in die Schule kam, und weil es da wo ich lebte sowieso keinen funktionierenden Markt für Unterhaltungssoftware gab, tat das auch niemandem weh.
Als ich älter wurde, war die Situation schwieriger: Die meisten Diskettenspiele waren mit irgendeiner Art abstrusem Kopierschutz versehen und CDs kopieren konnte kein Mensch, weil einfach niemand ein Gerät hatte, mit dem das gegangen wäre. Für jemanden, dessen Eltern nicht gerade reich waren, bestand der Bezug von Computerspielen also hauptsächlich aus Zeitschriften, denen für ein paar Öcken im Monat ein Dutzend Demo- und Sharewareversionen beilagen, die mit Glück zusammengenommen für einen Monat Unterhaltung gut waren, bis dann die nächste Ausgabe anstand.
Die löblichen Ausnahmen hatten auch Vollversionen, aber dafür nur eine pro Ausgabe (und sehr wenige Demos) und einen sehr mageren Magazinteil. Freeware war allgemein dünn gesäht, hatte kaum brauchbare Vertriebswege (Heft-CDs halt) und bestand hauptsächlich aus hanebüchenen Werbespielen.

Aber nun gibt es das Internet. Freeware kann problemlos frei per Download verbreitet werden, Independent-Entwickler können sich viel leichter zu Teams zusammenfinden und große Firmen entdecken es für sich, dass frühere Vollpreisspiele immer noch zu Promo taugen, wenn man sie kostenlos neuveröffentlicht. Und was spielen diese undankbaren Rotzblagen von heute? World of Warcraft.
Doch dagegen setzt die Zivilschein-Jugendförderungsabteilung jetzt eine neue Geheimwaffe ein: Jede Woche wird hier im Blog ein zur kostenlosen Verbreitung freigegebenes Computerspiel vorgestellt. Und zwar rückwirkend beginnend mit der ersten Kalenderwoche 2009. Vorgestellt werden ausschließlich Spiele, die sich offline spielen lassen und auch keinen nagelneuen Rechner zum vollen Genuss benötigen. Ein paar davon werden Wiederveröffentlichungen von Spielen aus den Neunzigern sein, aber das Meiste wird aus den letzten paar Jahren stammen.
Alle paar Artikel wird ein Spiel des Monats gekürt und nochmal eingehender besprochen, und sollte dieses Feature sich bis ins nächste Jahr noch erhalten, wird ein Spiel des Jahres mit einem wirklich ausgefeilten Text geehrt.
Falls jemand Vorschläge für einen kommenden Test hat, bitte in die Kommentare damit!

Doch genug der Worte, lasst uns von Taten sprechen!


If out of chaos comes order, what comes out of order?

Den Anfang macht das Freeware-Adventure Out of Order aus dem Jahr 2003. Das Spiel handelt von Hurford Schlitzting, einem stockdrögen Mittzwanziger, dessen britischer Sarkasmus bisweilen durchaus an den von Guybrush Threepwood ranreicht. Er wacht eines Tages auf, um festzustellen, dass sein Zimmer nicht mehr in seinem Haus liegt, sondern irgendwo anders. Seine Nachforschungen ergeben bald, dass er in einer Art Multispezies-Zoo ausgestellt werden soll und seine Chancen, in sein altes Leben zurückzukehren, nicht eben zum Besten stehen.

„Most folks here are fake happy. I’m not even that.“

Die Grafik ist hübsch bunt, aber oftmals mies arrangiert und wenig originell – viele Locations wirken einfach sehr steril. Die Musik ist ganz okay, aber nicht weiter herausragend und die Dialoge tragen selten weit genug, um nicht vorhersehbar zu werden, bevor man herausbekommen hat, was man wissen will. Ein paar der Charaktere sind nette Kommentare auf Prototypen, die wir alle kennen und zum Glück hat der Protagonist neben seinem bescheuerten Namen noch ein paar gewitzte Sprüche drauf. Die Steuerung ist intuitiv und sollte jedem, der in den Neunzigern mal ein Adventure unter den Fingern hatte, sofort einleuchten, die Rätsel sind zum Teil leider wenig naheliegend.

Die Story hingegen entfaltet sich mit der Zeit zu einem durchaus gelungenen Stück Erzählung, und gerade zum letzten Abschnitt hin wird das Ganze richtig interessant – das Durchhalten durch die öden Teile lohnt sich also. Am Schluss gibt es auch einen Twist, der so kaum vorhersehbar war und auch das dumpfe Happy End oder den Hollywood-Cliffhanger gelungen umschifft.

Out of Order verdient damit immer noch solide 7/10 knallblonde Promisternchen.

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Responses

  1. […] Bücher? Es folgen Artikel über “Black & White” und über “Warcraft”? Für jede Woche des ganzen Jahres wird ein Gratis-Spiel rezensiert und in gewissen Abständen gibt e…? Demnächst wird die Chzo-Tetralogie als Ganzes besprochen? Deine […]

  2. […] Wir unterbrechen die permanente Politbloggerei, um mal den Artikelserien hinterherzulaufen, die irgendwann mal eingeführt wurden. Zunächst das Gratis-Spiel der Woche, mit dem wir endlich im März ankommen. Hier ist das […]

  3. das spiele ist cool


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