Verfasst von: Manuel | 07.04.2009

Solaris (von Soderbergh)

And Death shall have no Dominion

And death shall have no dominion.
Dead men naked they shall be one
With the man in the wind and the west moon;
When their bones are picked clean and the clean bones gone,
They shall have stars at elbow and foot;
Though they go mad they shall be sane,
Though they sink through the sea they shall rise again;
Though lovers be lost love shall not;
And death shall have no dominion.

[…]

– Dylan Thomas


Dr. Chris Kelvin bekommt eine Nachricht mit der Bitte um Hilfe von seinem alten Freund und Kollegen Dr. Gibarian. Seltsame Dinge würden ihm bei seiner Arbeit passieren – und Kelvin wäre der Richtige, um die Dinge aufzuklären.
Die Gesellschaft, die die Station betreibt, auf der Gibarian mit seinen Kollegen arbeitet, schickt Kelvin also dorthin – in den Orbit von Solaris.

Seine Ankunft stellt Kelvin vor Allem vor Rätsel: Immer wieder findet er Blutspuren auf der Station, eigenartige Geräusche durchdringen die Korridore, sein Freund Gibarian liegt tot in einem Kühlraum, der Techniker Snaut redet offenbar nur wirres Zeug und Dr. Gibson, die dritte Wissenschaftlerin, weigert sich, mit ihm zu reden.

Irritiert geht Kelvin schlafen. Als er aufwacht, steht er vor einem weiteren Mysterium: Seine Frau Rheya ist auch an Bord, obwohl sie gar nicht hier sein sollte. Weil sie eigentlich tot ist…

„There are no answers, only choices.“

Regisseur Steven Soderberghs 2002er Version des SciFi-Klassikers hält sich nur lose an die Romanvorlage von Stanisław Lem, behält aber ihren Geist bei: Es gibt keine hirnlose Action, keinen Space-Horror, keine marodierenden Aliens und keine Laserduelle.
Der Film mit George Clooney, Natascha McElhone, Viola Davis und Jeremy Davies schlägt durchgehend sehr nachdenkliche Töne an. Er baut eine zähe Stimmung auf. Stellt Fragen.
Und obwohl er dabei auf Lems Hauptgedanken (dass die Menschen schon sich selbst noch viel zu fremd sind, um etwas wirklich fremdes zu verstehen) gar nicht hin arbeitet, geht er der anderen wichtigen Fragestellung des Romans (was einen wirklichen Menschen von der Erinnerung, die wir an ihn haben, unterscheidet) sehr geschickt nach.

Die Bilderwelt läuft irgendwo zwischen imposant und psychedelisch. Viele Schnitte gehen weich ineinander über, obwohl sie rasch wechselnde Szenen verschiedener Zeitebenen zeigen. Immer wieder thront der Planet Solaris über der Handlung, immer wieder werden Träume, Dialoge und Handlungen miteinander vermischt.
Viele Szenen kommen völlig ohne Dialoge oder Geräusche daher und werden lediglich mit einem dichten Klangteppich vermittelt. Zusammen mit der unscharfen Kamera und dem eher langsamen Erzähltempo kommt so eine gewisse Trägheit über den Film, der damit einen sehr eigenen Charme aufbauen kann.
Die Exponiertheit der Handlung weitab von der Erde, die sehr wenigen handelnden Figuren und die tiefen Charaktere tun ihr Übriges dazu.

Clooney spielt sehr überzeugend (abgesehen davon, dass er wieder einmal fantastisch aussieht), seine Partnerin Natascha McElhone sogar großartig. Da der Film ausschließlich aus der stark gefärbten Sicht von Chris Kelvin erzäht wird, ist das entsprechend wichtig – die anderen Personen treten ohnehin eher in den Hintergrund.

Das Ende ist offen genug, um noch genug Stoff zur Diskussion zu bieten.

Ein wichtiger Hinweis muss aber noch gegeben werden: Der Streifen ist im Originalton ein großes Stück besser – selbst, wenn man nicht alles verstehen sollte. Trotz der relativ wenigen Zeilen kommt die deutsche Synchronisation nicht gerade rühmlich davon.

Ein Film, der wieder einmal zeigt, dass Filmkritiker (die ihn weitestgehend verrissen haben) keine Ahnung haben und Kinopublikum (das ihn eher gemieden hat) unzurechnungsfähig ist.

9/10 unvermeidbare Wiederauferstehungen.

Achja: Um die Tarkowskiverfilmung kümmere ich mich mal, falls es mir eines Tages gelingen sollte, sie zu sehen und dabei weder einzuschlafen noch vor Lachen ins Delirium zu verfallen.

Update: Zweite Meinung?
Klapowski lässt den Streifen bei Zukunftia.de mit nur 1/6 Gummiohr davonkommen.

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Responses

  1. […] Die hübsche und unterschätzte Rezension des noch viel hübscheren und unterschätzteren Soderbergh… […]


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