Verfasst von: Manuel | 09.04.2009

Nochnoi Dozor – Wächter der Nacht

Bei diesem Streifen wäre ich fast eingeschlafen. Was nicht allzusehr am Film lag, sondern mehr an meiner eigenen Müdigkeit. Gesehen hab ich ihn im Kino mit zwei Freunden als einzige Zuschauer im Saal, und dann über einige arge Längen irgendwie den Faden verloren.

Ich erinnere mich, begeistert gewesen zu sein, wie da mit westlichen Erfolgsfilmen der Gegenwart1 umgegangen wurde – der „Auserwählte“ ist eben keine coole Sau, die die Welt der Sterblichen mal gerade aufmischt und fighten kann wie verrückt, sondern er macht sich mit seiner dicken Sonnenbrille und seinem Getue in der U-Bahn zum letzten Depp. Und unterliegt mehrmals in Konfrontationen gegen ziemlich läppische Gegner.
Die Nochnoi Dozor sind eben keine Saubermänner, die heldenhaft gegen das BöseTM kämpfen, sondern ungepflegte und unprofessionelle Trampel, die ihre eigenen Interessen auch auf ziemlich fragwürdigen Pfaden verfolgen.
Und der erste Teil dieser glorreichen, glorreichen Trilogie endet mit einer dicken Niederlage für die Protagonisten.

Tolle Sache.

Auch die „Nachbarschaft“ von Anton und Kostja fand ich großartig inszeniert. Ein Nochnoi Dozor und ein Dnevnoi Dozor. Ein Guter und ein Böser. Soldaten der beiden verfeindeten Kriegparteien. Wohnen nebeneinander und leihen mal eben etwas Mehl, klopfen gegen die Tür wenn die Musik zu laut ist und ärgern sich gemeinsam über jeden Stromausfall.
Und irgendwo fragt man sich, ob das denn sein muss, dass sich die Leute so bekämpfen, obwohl sie doch klarkommen können. Und warum das sein muss. So verschieden sind sie doch nicht

Und als Kostja erkennt, was für ein Typ sein Nachbar wirklich ist, kommt die ganze Gut-gegen-Böse-Nummer erst recht ins Schwanken. Was für Lichtbringer sind DAS denn?

Aber dann sind da etliche Stellen, die mir den Film letztlich verlitten haben. Die gesamte Handlung um den Protagonisten macht sich nicht wirklich begreiflich. Einige Ereignisse sind reichlich abgedreht oder eher unlogisch (mal ehrlich: Ein riesiger durch Moskau wandelnder KRÄHENSCHWARM, der offenbar nur den Anderen auffällt? Was ist mit diesem Flugzeug? Und warum kann dieser Van Saltos machen?).

Kamera und Schnitt sind noch als „experimentierfreudig“ zu rechtfertigen.
Aber die Filmmusik braucht viel Verständnis. Klar, die Idee, nur russische Bands an den Film zu lassen (wie mEn generell nur Russen an jedem einzelnen Teil gearbeitet haben), ist konsequent und erstmal verdammt gut. Aber hinter den kraftvollen „Matrix“-Cues bleibt ND meilenweit zurück.

Im Rückblick finde ich, dass der Vorstoß, moderne (und nicht modernde) russische Ideen auf die westliche Kinowelt loszulassen, Respekt verdient. Und er hätte deutlich niederschmetternder ausfallen können.
Aber für die paar wirklich guten Stellen hätte ein Kurzfilm locker gereicht.

Fazit: Die Bücher lesen! Verfilmungen sind immer mieser als die Vorlagen und wenn ich vor der schieren Textmenge nicht zurückschrecken würde, würde ich auch nach den Romanen langen – schlechter werden die nicht nicht sein.

5/10 Buddeln Blut.

Update: Second opinion?
Klapowskis Zukunftia.de-Verriss vergibt noch gerade 2/6 Gummiohren.


  1. Wie steht das auf der DVD-Packung? „Die russische Antwort auf ‚Herr der Ringe‘ und ‚Matrix'“? Was für ein Kniefall…[]
Advertisements

Das muss kommentiert werden!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: