Verfasst von: Manuel | 19.04.2009

Gratis-Spiel der Woche (8): Trilby’s Notes

Und damit kommen wir zum dritten Zivilschein-Review der Chzo-Saga von Ben „Yahtzee“ Croshaw.

„Trilby’s Notes“ ist in mehrerlei Hinsicht ein Ausreißer aus der Reihe: Die anderen drei finden exakt im Zeitabstand von 196 Jahren voneinander statt, haben das „X Days“ im Namen und sind alle Point&Click-gesteuert.
Denn das ist die auffälligste Besonderheit von „Trilby’s Notes“: Es ist ein Textadventure.

Was beim Lesen sofort wie eine fatale Fehlentscheidung wirken muss, entpuppt sich nach ein paar Spielminuten als sehr konsequentes und zum Spielinhalt passendes Feature: Trilby, der nach den Ereignissen des ersten Teils als Spezialagent rekrutiert wurde, erzählt die Geschehnisse aus der Ichperspektive in handschriftlichen Notizen seiner Erlebnisse.

Auf Tastendruck erhält man daher einen Notizzettel mit der Frage „What did I do next?“, auf die ein Befehl wie „Open the door“ schon eher wie eine natürliche Antwort wirkt – zumal der Parser sehr flexibel ist und das Spiel damit fast nie zur Befehlsraterei verkommt.
Auch ist es Yahtzee vorbildlich gelungen, das eine oder andere Rätsel einzuflechten, das ohne Textparser einfach nicht funktionieren würde und das Genre „Textadventure“ damit vollkommen zu rechtfertigen.

Trilby, auch das ist in diesem Teil der Reihe neu, wird aber im letzten wieder aufgenommen, wechselt immer wieder zwischen unserer Welt, der „Light World“, und einer „Dark World“, in der dieselben Orte gewalttätig pervertiert sind.
So entstehen sowohl durch die Wechsel selbst als auch durch das Erkunden der Spielwelt in beiden Dimensionen immer wieder Schockmomente, die die sehr präzise eingesetzt sind und sich auch großartig unwohl anfühlen.

Auch hier umschifft „Notes“ einen verbreiteten Fehler: Nie dient der Plot nur als Vehikel, um noch einen weiteren billigen Schocker auf uns loszulassen, sondern jedes Stück des eher subtilen Horrors hat seine Berechtigung in der Welt, in der sich Trilby bewegt.

Dabei ist die Grafik viel einfacher geworden als sie noch in den Vorgängern war: Durch den Mangel an Farbverläufen und den sehr pointierten Stil wirkt „Notes“ streckenweise fast wie ein Comic; die stilisierten Blutspuren und der großartige neue Antagonist tun ihr Übriges zu diesem Eindruck.

Yahtzee selbst kommentierte die grafischen Unterschiede zum ersten Teil eher pragmatisch: „TN Trilby is not shaded at all because he was drawn after the GFW period when I realised that most people didn’t give a toss and just wanted a fun game.“
Dennoch ist die Technik nicht einfach nur primitiver geworden: Durch die Konzentration auf das Wichtige ist auch ein deutlich prägnanterer Stil entstanden, den Yahtzee bis zu seinem bislang letzten Spiel, „Trilby: The Art of Theft“ noch ausgeschliffen hat.

Obwohl wir ausschließlich das erleben, was Trilby auch erlebt – weil es, wie gesagt, nur ihn als Erzähler gibt -, gibt es immer wieder eingestreute kurze Sequenzen, in denen man andere Figuren spielt. Diese Szenen sind komplett in Schwarzweiß gehalten, weil sie in verschiedenen Epochen der Geschichte spielen und Trilby daher als Visionen erscheinen.
Mitunter kommt man dabei sogar an aus den vorigen Teilen schon bekannte Orte.

Mit diesen interaktiven Flashbacks konstruiert das Spiel einen Mythos um die bisherigen Ereignisse der Saga, der weit tiefergehende Zusammenhänge erkenntlich werden lässt und damit den Horror zusätzlich steigert: Die Mächte, mit denen sich Trilby konfrontiert sieht, sind offenbar deutlich mehr als nur ein Zombie mit einer Schweißermaske.

Besonders positiv herausgehoben werden müssen auch Musik und Sound: Diese erreichen in „Notes“ ein ganz anderes Niveau als in den Vorgängern. Wenn etwa der Übergang zur „Dark World“ mit dem Aufkommen unverständlicher Flüsterstimmen unterstrichen wird, wird die Atmosphäre gleich viel eindrücklicher.
Ebenso sind die Musikstücke, etwa das „Tall Man“-Thema großartig arrangiert und auch eingesetzt (nämlich: spärlich – das hier ist schließlich nicht John Williams). Den Niveausprung kann man hier wohl der Tatsache zuschreiben, dass erstmals Musiktalent Mark Lovegrove für die Musik verantwortlich war.

Trilby’s Notes bekommt eine klare Empfehlung von der Zivilschein-Redaktion: Dieses 8/10-besessene-Cembalos-Juwel sollte man insbesondere als Adventurefreund unbedingt gespielt haben (allerdings nicht vor seinen Vorgängern – man verpasst sonst viel).
Den Download gibts hier.

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Responses

  1. […] dem Nachfolger von “5 Days a Stranger”, “7 Days a Skepic” und “Trilby’s Notes” und ist auch genau darauf ausgelegt: Das Spiel beschäftigt sich zum größten Teil damit, lose […]

  2. […] Rezensionen der tollen und kostenlosen […]


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