Verfasst von: Manuel | 22.04.2009

Liebling des Monats März: Ursula von der Leyen

Puh, der März war ein nachrichten- pressekonferenzen- und vor Allem talkshowreicher Monat. Entsprechend hitzig waren die Gefechte um den Liebling des Monats.
Aber die stolze Gewinnerin hat es sich auch wirklich, wirklich verdient.


Liebling des Monats März: Ursula von der Leyen

Denkt nur an die Kinder, geht dafür aber gegen alle gleichermaßen vor: Unsere Vanillienministerin

Sieben-Kinder-Ursel, die große Vorbildmutter des deutschen Volkes, hat gehört, dass es jetzt etwas ganz neues gibt, das nennt sich Internetz. Ihre Kollegen im Bundestag sind da zwar noch etwas hinterher, aber unsere Grusula weiß bereits genug bescheid, um entrüstet festzustellen: Da gibt es irgendwas mit Kinderporno.
Kinderporno! Habt ihr das gehört? Die Kinder, die Kinder, denkt denn hier niemand an die Kinder?
Da muss eine Internetsperre her!
Und wer nicht für uns ist, der ist für das uneingeschränkte Zeigen der Vergewaltigung von Kindern!

Wie? Die zugrundeliegenden Zahlen sind äußerst fragwürdig interpretiert? Achwas, mit manipulierten Zahlen hantiert Maueruschi doch dauernd

Was? Die Netzzensur ist hochgradig illegal und schlechterdings verfassungswidrig?
Zensursula sagt: Sich für solchen absoluten Unsinn zu interessieren ist ja wohl unterirdisch!

Bitte? Ein Großteil der Verbreitung von Kinderpornographie ist gar nicht kommerziell? Die milliardenschwere Kinderpornoindustrie, gegen die man rigoros vorgehen will, ist womöglich nur eine Legende?
Ääähh… CDU-Fraktion, sag doch auch mal was!

Häh? Die Leyenmauer ist gegen ihr eigentliches Ziel vollkommen wirkungslos und selbst von totalen Nixblickern in 27 Sekunden umgehbar, „sperrt“ an kinderpornografischen Inhalten so ungefähr gar nichts und ist deshalb völlig unnütz – anders als etwa ein direktes Vorgehen gegen die Provider wäre, was auch problemlos ginge, weil die größtenteils in Europa und Amerika sitzen?
Na und? Jörg Ziercke vom BKA sagt immer drölfmal mehr nein wie du!

Öh? Die geheimen Sperrlisten, die ja keiner demokratischen Kontrolle unterliegen dürfen, weil sie sonst gerade beim Konsum helfen würden, sickern trotzdem durch und dienen interessierten Kinderpornokonsumenten eher als Einkaufslisten?
Wir stürmen deine Bude und beschlagnahmen dein Zeug, wenn du nicht gleich ruhig bist!

Mh? Die Internetzensur wird sehr bald auch gegen ganz andere unliebsame Inhalte eingesetzt werden? Die Zensur und Beschneidung der Informationsfreiheit, denen mit der Sperrung durch Frau von der Offleyen Tür und Tor geöffnet werden, sind Merkmale eines Überwachungsstaates? Die meisten Seiten, die auf den kursierenden Sperrlisten aufgelistet sind, haben mit Kinderporno gar nichts zu tun?

All das Gerede, das die Frau von den Laien und Jockel Ziercke veranstalten, ist purer Hokuspokus?

Öhm.. tja… also… nagut. Das stimmt.

Sollte aber keinen überraschen, dass Frau voll die Laiin von alldem nichts wissen will. Wem die Abschaffung seiner Bürgerrechte nicht passt, soll halt den Internet-Notrufbutton drücken.

Oder sich einen Internetprovider suchen, der diesen Scheiß nicht mitmacht. Eine Liste gibts hier.

Die Zivilschein-Sonderkommission für angewandte Naivität drückt Johnny Haeusler die Daumen für sein Vorhaben, einen vernünftigen Dialog zu eröffnen. Allein, uns fehlt der Glaube…

Honorable Mention: Das Killerspiel, die alte Drecksau

Gekillter Spieler: Viele Jugendliche fallen jährlich rhetorischen Amokläufen von Unionspolitikern und Innenministern zum Opfer

Gekillter Spieler: Viele Jugendliche fallen jedes Jahr rhetorischen Amokläufen von Unionspolitikern und Innenministern zum Opfer

Jaja, im März war es wieder mal so weit: Ein jugendlicher Außenseiter, der regelmäßig gemobbt wurde, läuft mit tödlichen Schusswaffen in seine ehemalige Schule und tötet eine Reihe von Menschen und noch am selben Abend kommen bei Klipp&Klar mit Frank Plasberg die alten Haudegen Wolfgang Bosbach und Christian Pfeiffer von der CDU vorbei um mal wieder gepflegt über was zu reden?
Japp: Computerspiele.
Nicht, dass sich die beiden mit den fiesen Dingern überhaupt beschäftigen würden (Zitat Bosbach: „Muss ich Baum im Regenwald sein um mich für die Rettung des Regenwaldes einzusetzen?“), aber wozu auch – eine Diskussion über Computerspiele, die halbwegs fundiert abläuft? Wo kommen wir denn da hin?

Auch der Uwe Schünemann darf noch gediegen bei Maybritts verbritterter Talkrunde reinleuchten und erhält tosenden Applaus für seine Erklärung, warum Schützenvereine nicht das Geringste mit bewaffneten Mehrfachmorden von Schützenvereinsmitgliedern zu tun haben, das Killerspiel hingegen sofort ans Mühlenrad gebunden und im Fluss ersoffen gehört.

Und weil der Tag noch lang genug und das Killerspiel so prima zum Gutentagsagen geeignet ist, stellt sich Bayerns bislang unbekannter Innenminister Joachim Herrmann mal vor, indem er das Killerspiel zwischen die illegalen Drogen und den Kinderporno setzt.

Herzlichen Dank für einen sehr aufschlussreichen und vernünftigen Diskussionsmonat März, liebe Unionspolitiker. Das Killerspiel wird dann nach dem nächsten Amoklauf vielleicht der LdM, wenn es wieder heißt: „Spielt die Killer, killt die Spiele!“

Honorable Mention: Hartmut Mehdorn

Der Zug ist abgefahren: Nur Bahnhof verstanden: Völlig entgleist: Total neben der Spur: Die Weichen sind gestellt: Bahn frei: Zug um Zug: Bitte zurücktreten: Ach, was solls...

Deutschland, Anfang 2009: Woche um Woche werden immer stärkere Ausmaße der Mitarbeiterüberwachung bei der Deutschen Bahn offenbar, laut Verkehrsausschuss des Bundestags werden munter Akten vernichtet und Hinweise verschleiert.
Doch Hartmut bleibt – äh, hart. Und mosert an den schröcklich fiesen Aufklärern herum. Am 17. März fällt dem Noch-Bahnchef siedend heiß ein, dass er am selben Tag leider doch nicht vor eine Untersuchung des Verkehrsausschusses treten kann, denn er muss dringend nach… öhm… Saudi-Arabien.

Privatsphäre? Transparenz? Datenschutz?
Hah! Hartmut Mehdorn lacht über eure dreckigen Kommunistenideen!

Nachdem sich nicht mehr leugnen lässt, dass bei zigtausend Mitarbeitern der Emailverkehr überprüft und teilweise sogar gelöscht wurde, bietet Mehdorn am Monatsende seinen Rücktritt an, nicht ohne zu betonen, dass er nicht die geringste Schuld bei sich sieht und dass die Debatte dem ganzen Land schadet.

Für diese Hartnäckigkeit und glanzvolle Rhetorik hätte der Gute zum Abschluss fast noch einen LdM mitgenommen – aber eben nur fast.

Bonushäme gibt es hier und hier.

Honorable Mention: Heribert Rech

Zu Heribert Rech fällt uns hier nur eins ein: Watt'?

„Scheiße Bernd, es reicht mir. Ich habe dieses Lotterleben satt, immer dasselbe – alle lachen mich aus, niemand erkennt mein Potential.“
Mit diesen Worten könnte sich Heribert Rech entschlossen haben, für die CDU das Amt des baden-württembergischen Innenministers anzunehmen. Dieser anhaltende politische Amoklauf fand seinen vorläufigen Höhepunkt im März, als Berti „Wenn ich alle meine verdeckten Ermittler aus den NPD-Gremien abziehen würde, dann würde die NPD in sich zusammenfallen.“ Rech einen Tag nach Winnenden auf einer Pressekonferenz mit dramatischer Inbrunst ein Jux-Posting vortrug, das irgendjemand deutlich nach den Winnenden-Morden verfasst hat. Zugleich nannte er das Imageboard Krautchan einen Internet-Chat und bekräftigte selbst auf mehrfaches Nachfragen der Presse, dass alles dafür spreche, dass diese Nachricht vom Täter selbst war; obwohl jeder Normalbürger mit nur ein bisschen Knowhow in zwei Minuten rausfinden konnte, dass das ganz klar nicht der Fall war.

Nochmal einen drauf setzte Chatroom-Bertel, der tollkühne Verbrecherschreck, als klar wurde, dass seine Polizei zwei Jahre lang wegen seit 1993 verübter Verbrechen nach einem Phantom gesucht hat, das gar nicht existiert. Nachdem raus war, dass verunreinigte Wattestäbchen für die grotesken Fehlermittlungen gesorgt haben, reagierte der Kriminalexperte sofort!
Amateure hätten vielleicht ihrem Laborpersonal eine vernünftige Fortbildung angedeihen lassen. Oder eine Schulung für die Spurensicherung angeordnet.
Nicht so Herr Ibert, der Recher! Er weiß mit den Steuergeldern der Bürger viel besseres anzufangen, denn er prüft prompt rechtliche Schritte gegen den Hersteller der Wattestäbchen.
Rech, äh, Recht so! Was fällt diesen Arschkrampen auch ein, Wattestäbchen herzustellen, die nicht vollkommen idiotensicher sind, damit sie sich auch für die Polizeiarbeit eignen!

Zivilschein sagt TOL, gratuliert zum Honorable Mention mit einem herzlichen LAUER MEER und wünscht viel Glück für den nächsten LdM!

Honorable Mention: Papst Benedikt XVI.

Hat den Hut auf: Der 81 Jahre alte jungfräuliche Ratze ist Experte in Kondomfragen

Aufmerksame Leser wissen: Dieser Mann ist nicht zum ersten Mal bei den Verleihungen des Zivilschein-LdM zu Gast und vermutlich auch nicht das letzte Mal. Im März machte er im Rahmen seiner Afrikareise ratze-fatze klar: Kondome tragen nichts zum Kampf gegen Aids bei, sondern ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem.
Sensationell! Fantastisch! Unglaublich!
Während sich der Rest der Welt noch eifrig an der Aids-Problematik den Kopf zerbricht, hat der sechzehnte Benedikt als bislang einziger schon neuartig-revolutionäre medizinische Erkenntnisse vorliegen.

Wenn’s Kondom aber nicht vor Aids schützt,
Lieber Pope, lieber Pope,
Wenn’s Kondom aber nicht vor Aids schützt,
Lieber Pope, was dann?

Spirituelles und menschlichen Erwachen und die Freundschaft für die Leidenden.

Preiset den Herrn, uns ward Erleuchtung zuteil! „Spirituelles und menschliches Erwachen und die Freundschaft für die Leidenden“ lösen das Aidsproblem!

Wir sehen schon: Unser aller Papst hat alle Menschen lieb.
Und deshalb langt es für ihn und seinen Verein eines Tages bei uns auch ganz bestimmt zum Liebling des Monats.
Ganz bestimmt.

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Responses

  1. […] Ich habe in den letzten Monaten immer dann, wenn ich eine weitere irrwitzig groteske Aussage von Ursula von der Leyen oder ihrem unerschrockenen Zensurtrupp Ziercke, Zypries, von Guttenberg gehört oder gelesen habe, […]

  2. […] SO DARF NUR ICH SIE NENNEN!!!!111!! […]

  3. […] gegen Netzzensurgesetz Nase voll von der […]

  4. […] froh sein, dass so aufgeklärte, gutinformierte Politiker sich von so etwas wie dem Volkswillen nicht weiter irritieren lassen und die Netzzensur unbeeindruckt weiter […]

  5. […] Die Verleihung des Lieblings des Monats März an Zensursula, inklusive der Qualifikanten Killerspiel… […]

  6. […] habe in den vergangenen Wochen ja auch eine Menge zum Thema Netzsperren gebloggt und mich auch darüberhinaus mehr mit dem […]

  7. […] Das ist jetzt natürlich nichts Neues. […]

  8. […] die LdM-Texte irritieren mich in ihrer langfristigen Beliebtheit nachhaltig, denn der LdM März war deutlich aufwändiger geschrieben, ist umfangreicher und hat auch bessere Pointen, bleibt aber […]

  9. […] Liebling des Monats März: Ursula von der Leyen […]


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