Verfasst von: Manuel | 24.07.2009

Werbung färbt leider ab

Ich habe ja im Rahmen dieser Vodafail-Geschichte hier schon mal gesagt, dass Werbung nie ganz vom Medium, in dem sie stattfindet, getrennt werden kann:

Es ist nicht möglich „nur einen Werbeplatz“ zur Verfügung zu stellen. Werbung bedeutet immer auch, den eigenen Lesern eine Empfehlung für das Beworbene auszusprechen. Ein Fernsehsender und sein Programm sind verknüpft mit den Produkten, die er bewirbt. Eine Zeitung und ihre Artikel sind verknüpft mit den Unternehmen, denen sie Anzeigen verkauft.
Und Spreeblick ist nun verknüpft mit dem größten Fürsprecher der Zensur, den es auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt gibt.

Das hab ich nicht nochmal genauer ausgeführt, und selbst, als Johnny mir da direkt widersprach, war ich zu rammdösig, um das nochmal deutlicher darzulegen.

Felix Schwenzel hat nun Mittwoch in einem stark ausufernden Text unter Anderem erklärt, wieso er sich dafür entschieden hat, die Vodafone-Werbung abzulehnen. Und er kommt auch kurz auf etwas zu sprechen, was ich ebenfalls angesprochen hätte, wenn ich die Geduld und die Konzentraton aufgebracht hätte, meinen obenzitierten Gedankengang zu erklären:

ich glaube zwar, dass die meisten blogger die trennung von werbung und redaktionellen inhalten sehr ernst nehmen, nur funktoniert die wahrnehmung dieser trennung nicht so wie ich und andere werbetreibende blogger sich das vielleicht wünschen. blogs sind (meistens) so persönlich, so abhängig von ihren machern, dass die geschaltete werbung — in der aussenwahrnehmung — zwangsläufig einfluss auf die redaktionellen inhalte hat. würde ich mit vodafone-bannern auf der seite gegen die unsäglich schlechte vodafone-kampagne anstinken hätte das, ob ich will oder nicht, ein geschmäckle. es könnte so aussehen, dass ich nur gegen vodafone wettere um meine unabhängigkeit und freiheit zu demonstrieren, oder umgekehrt, dass ich ich nichts gegen vodafone sage, weil ich es mir mit dem werbetreibenden nicht verscherzen will. mit bannern auf der seite müsste ich immer abwägen: wie könnte das was ich jetzt schreibe mit dem banner auf der seite wirken?

werbung färbt leider ab.

Allerdings: Die Trennung zwischen (fremder) Werbung und (eigenen) Inhalten – davon abgesehen, dass sie oft gar nicht vollzogen wird – ist ein sehr künstliches Konstrukt, sie ist als solches ziemlich jung und in den Gehirnen der Rezipienten dürfte sie wohl kaum stattfinden; jedenfalls bei Weitem nicht so klar, wie man zwischen eine gekennzeichnete Zeitungsanzeige und einen Redakteurskommentar mit einem Lineal einen Bleistriftstrich ziehen kann.

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Responses

  1. das schon gelesen?

    http://blogbar.de/archiv/2009/07/22/prevanchisten-und-die-erfindung-des-mobs/

  2. Naja, Don Alphonso les ich nicht so gerne. Zuviel Bashing.
    In dem von dir verlinkten Artikel schlägt er mir auch wieder zu hohe Wellen, speziell gegen Schnutinger.

    Warum?

  3. ich lese in der blogbar erst seit kurzem so richtig mit und ja, da gibt es in dem artikel auch spitzen gegen schnutinger.

    aber in der sache und wenn ich mal das stellenweise sehr harte bashing substrahiere (und natürlich die überbordene ego-masturbation), dann komme ich zu dem schluss: in der sache liegt er richtig. zumindest nach allem, was ich bis jetzt weiß.

    damit haben lobo, spreeblick und einige andere sich selbst und „uns allen“ einen bärendienst erwiesen – das meine ich aber speziell im hinblick auf die zensur-diskussion.

  4. Sascha Lobo hat uns allen einen Bärendienst erwiesen, richtig. Weil er Vodafone sehr aktiv hilft und als ihre Werbeikone auftritt und weil er sich damit als „unser“ Gesicht (nicht nur in dieser Sache) profiliert.
    Spreeblick hat sich auch nicht gerade günstig verhalten, insoweit stimme ich da zu. Aber wie schon gesagt: Die hätten viele Möglichkeiten gehabt, noch viel, viel schlechter zu handeln und nur eine, um da ganz raus zu bleiben.

    Davon abgesehen solltest du und sollten wir alle im Auge behalten, dass „Vodafail“ ein Nebenkriegsschauplatz ist: Das Unternehmen hat die Zensur nicht erfunden, ist nicht von selbst mit dem Vorschlag gekommen, hat dem ZugErschwG keine einzige Parlamentsstimme für den Erlass gegeben und wird im Herbst sicher nicht höchstselbst einer Regierung die Mehrheit verschaffen, die in der kommenden Legislaturperiode diesen unrechtsstaatlichen Unfug verlängern und verschärfen wird.

    Es gibt in der Sache eigentlich wichtigere Dinge zu tun, als uns gegenseitig an den Kragen zu gehen.

  5. richtig. und ich bin doch gespannt, wie die beteiligten in zukunft weiter stellung nehmen zur zensur und wie medien und politik versuchen werden, ihnen einen strick aus der vodafone-sache zu drehen.

    http://www.spreeblick.com/2009/07/24/gefahrliches-ganzwissen-das-ende-des-stammtisches/

    „100 Millionen Abfindung an einen Manager, der Scheiße gebaut hat – das ist obszön.“

    da fallen scharfmachern zukünftiger debatten noch ganz andere sachen ein, die obszön sind bzw. waren. z.b. gegen web-sperren sein aber von den handlangern geld einstecken usw.

    au mann. was für’n großer haufen scheiße, echt.

  6. […] die Diskussion in Kommentaren zum wirres-Posting sowie in dem denselben Text referierenden Blog Zivilschein in eine andere Richtung. Das ist aber nicht so schlimm. :-) Schlimm ist es, wenn […]


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