Verfasst von: Manuel | 07.09.2009

Ratcon 2009

Vom 28. bis 30. August fand in Dortmund im Fritz-Henßler-Haus die Ratcon 2009 statt.

Für drei Tage stand das Fritz-Henßler-Haus wieder Fantasy- und Rollenspielfans von überallher zur Verfügung.

Für drei Tage stand das Fritz-Henßler-Haus wieder Fantasy- und Rollenspielfans von überallher zur Verfügung.

Die traditionelle Haus-Convention von Fanpro (und neuerdings Ulisses), die mitte der Neunziger begann, Fantasy- und Rollenspielfans ganz Deutschlands (und auch Österreichs, der Schweiz und, wie man hört, der Niederlande) ein zentrales Treffen für ihre Interessen zu bieten, gehört zu den größten und wichtigsten Rollenspielcons des Landes. Wie alle anderen auch unterliegt sie aber seit einigen Jahren einem ständigen Abstieg.

Der Eintrittspreis von 10 Euro für 48 Stunden Con ist okay, wie er auch seit Jahren schon okay ist. Der Einlass war aber wieder einmal katastrophal: Wozu veräußert man Karten im Vorverkauf, wenn die genausoviel kosten wie an der Kasse und man damit genauso schlecht reinkommt wie Besucher ohne Karte? Um 18:00 wurde der (kleine) Eingang des Einlasszelts geöffnet, an dessen einer Seite die Kasse für Besucher ohne Karte und an dessen anderer Seite der Einlass für Gäste mit Karte war. Was davon wo ist, war nur ersichtlich, wenn man bereits im Einlass stand.
Wenn man schon keinen eigenen Eingang für die VVK-Kartenbesitzer macht (wie das schon mal der Fall war), warum trennt man den Eingangsbereich nicht schon vor dem Zelt zb. mit einem weiteren Stück Bauzaun auf? Oder beschriftet wenigstens den Zelteingang von außen entsprechend des inneren Aufbaus?
Sicher, bei nur noch ein paar hundert Hanseln, die die Con besuchen (und wie gesagt immer kleiner werdenden Besucherzahlen), wird das Problem mit dem massiven Gedrängel auch zunehmend geringer, aber es zu lösen wäre sehr einfach und würde die Con für alle Besucher ein Stück angenehmer machen.
Die Ratcon-Homepage sagt dazu:

Wir bemühen uns auch in diesem Jahr, speziell für Besitzer von Eintrittskarten aus dem Vorverkauf einen separaten Eingang zu öffnen, so dass Sie die Möglichkeit eines schnelleren und unkomplizierteren Zutritts haben.

Und das kann nur unterstrichen werden: Man hat sich bemüht.

Lieber als Band arm dran als mit Band am Arm dran: Wir spielen Deadlands.

Lieber als Band arm dran als mit Band am Arm dran: Wir spielen Deadlands.

Sehr fair hingegen: Jeder Besucher bekam zum Eintritt eine hübsche DSA-Plastiktüte (das klingt jetzt vielleicht albern, aber das ist wohl die hübscheste Plastiktüte, die ich je hatte – ich werde ab sofort alle meine Einkäufe damit tätigen und alle meine Kinder darin spazierentragen; abgesehen davon kann ich mich nicht erinnern, dass es je eine Tasche/Tüte/Beutel mit DSA-Thematik gegeben hätte, die so cool aussah). Zur Plastiktüte dazu gab es noch das Gratisabenteuer „Die Goldene Stadt„, das im Vergleich zum letztjährigen Gratisabenteuer „Begeisterter Neuanfang“ nicht nur aufwändiger gemacht, sondern auch deutlich hochwertiger produziert ist, und – wegen des 25-jährigen Jubiläums von DSA – ein Nachdruckexemplar des allerersten Aventurischen Boten, nicht sonderlich nützlich, aber nett als Sammelstück.
Da hat sich Ulisses einiges aus dem Rücken geleiert, Respekt!

Interessant ist, wie das Gelände hinter dem FHH jedes Jahr proppevoll mit Zelten ist. Dem scheinen die fallenden Besucherzahlen wenig anzuhaben. Selbst im Keller des Gebäudes waren behelfsweise Zelte aufgestellt.
Auf der Ratcon-Homepage heißt es dazu:

Thema: Zeltplätze

[..]
Kleiner Tipp zur Güte: Wer sich eine Karte über den F-Shop vorbestellt, hat kürzere Wartezeiten an der Kasse und ist schneller auf dem Zeltplatz.

Dafür gibt es von der Zivilschein-Redaktion ein herzliches LOL!

Deadlands taktisch: Die Farm armer, wehrloser Bauern (links im Bild illustriert) wird von heroischen Spezialisten vor skrupellosen Banditen verteidigt.

Deadlands taktisch: Die Farm armer, wehrloser Bauern (links im Bild illustriert) wird von heroischen Spezialisten vor skrupellosen Banditen verteidigt.

Ehrlicher ist da schon die Informationspolitik zur Verpflegung: Während früher immer die angenehme Formulierung „Speisen und Getränke zu zivilen Preisen“ vorwarnte, dass die Ernährung nicht unbedingt billig wird, wurde inzwischen dieser Hinweis ganz über Bord geworfen, denn selbst zivil sind die Preise wirklich nicht mehr. Wer für eine Tasse Tee (read: warmes Wasser mit Geschmack) einen Euro, für ein belegtes Brötchen (also eine Brötchenhälfte mit einer Scheibe Wurst oder Käse) 1,50 € und für eine Bockwurst mit Kartoffelsalat 2,50 € nimmt, muss sich an den Gastronomien der nahgelegenen Dortmunder Innenstadt messen lassen, die für dieselben Preise bessere Qualität und mehr Service bieten.

Deadlands noch taktischer: Im Wohnhaus der Farm (Detail beider Stockwerke) haben sich die Verteidiger (von Würfeln repräsentiert) schon aufgestellt.

Deadlands noch taktischer: Im Wohnhaus der Farm (Detail beider Stockwerke) haben sich die Verteidiger (von Würfeln repräsentiert) schon aufgestellt.

Mit dem Wetter hat es die Organisation diesmal etwas besser getroffen als sonst üblich: Es war zwar durchgehend bewölkt, aber zeitweise war auch kurz die Sonne zu sehen, es hat nur wenige Stunden geregnet und dann vor Allem nachts und es gab tagsüber auch draußen zimmerwarme Temperaturen.
Gerade in Erinnerung an die Wasserratt-Con von 2006 eine ganz gute Leistung. Bravo!

Am Programm der Con hab ich nicht groß teilgenommen, weil ich Veranstaltungen wie diese hauptsächlich nutze, um alte Bekannte zu treffen. Daher hab ich stattdessen meine erste Runde Shadowrun gespielt (welche spaßig war, danke nochmal an Falko!) und meine dritte Runde Deadlands (danke Philipp!).
Für letztere bekamen wir am Samstag das Zelt, in dem auch der Pegasus-Support (die Munchkin-Typen) saß. Einer von deren Leuten erzählte mir, dass erst auf seinen Hinweis hin zumindest ein Müllsack draußen vors Zelt gestellt wurde. Weitere Mysterien der Organisation: Warum außerhalb des Gebäudes Spielzelte aufstellen, in denen zwar ein Kronleuchter an der Decke und ein Deckenfluter an der Wand für prunkvolles Licht sorgen, aber kein einziger Mülleimer steht? Warum erst auf Aufforderung hin wenigstens vor das Zelt was zum Müllsammeln hinstellen und warum dann nur eine einzige Mülltüte fürs ganze Wochenende?
Zudem fiel im Lauf des Tages scheinbar ein Ast des nebenstehenden Baumes (scheinbar ein Ast – nach meinem Eindruck könnten das auch einfach nur Früchte gewesen sein) auf das Zeltdach und sorgte entsprechend für ein großes Hallo. Um die Besucher fortan vor der möglichen Gefahr zu warnen, klebte man einen Zettel an den Baumstamm: „Achtung, Äste von Oben !!“

"Achtung, Äste von Oben !!": Nur für den Fall, jemand könnte annehmen, die Dinger würden von der Seite kommen...

"Achtung, Äste von Oben !!": Nur für den Fall, jemand könnte annehmen, die Dinger würden von der Seite kommen...

Insgesamt scheinen aber die meisten Conbesucher eine Menge Spaß gehabt zu haben. Nach meinen Eindrücken gab es vielerorts zufriedene Gesichter und angesichts des auf jeden Fall reichhaltigen Programms ist das auch verständlich.

Was mir auch aufgefallen ist: Erstmals war auf der Ratcon etwas wie politische Agitation erkennbar. Die Ratcon-Homepage vermeldete betreffs der am selben Wochenende in Nordrhein-Westfalen stattfindenden Kommunalwahlen:

Thema: Kommunalwahlen in NRW

[…]
Die Ratcon-Orga rät jedem wahlberechtigten Besucher aus NRW zu, […] seiner demokratischen Bürgerpflicht nachzukommen. Bitte denkt daran, nicht zu wählen ist keine Alternative und immer eine „Stimme“ für die falsche Partei!

(Hervorhebung am Ende von mir)
Das ist schon eine politische Positionierung und sie wird entschlossen vertreten.
Außerdem habe ich erstmals überhaupt auf einer Con politische T-Shirts gesehen, namentlich von der Piratenpartei. Bemerkenswert, wie die Ereignisse der letzten Monate offenbar die bislang immer als eher unpolitisch wahrgenommenen Rollenspieler zu politisieren schafft. Andererseits: Conbesucher mit weiten Varietäten an CDU-, SPD-, Grünen-, FDP-, Linke-, Rentnerpartei- und MLPD-Shirts und womöglich Parteistände möchte ich auf Rollenspielcons eigentlich noch weniger sehen als merkwürdige Kollegen mit Gummiohren und Kostümverkäufe.

Alles in Allem eine für mich erfreuliche Ratcon, auch wenn es sicher schon bessere gab.

Alveran.org bietet weitere Rückblicke hier und hier.

Zusätzliche Berichte gibt es bei Friedensbringers Rollenspielblog, bei Chaos am Spieltisch, beim Rollenspiel-Almanach und bei Legi intellexi condemnavi.

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Responses

  1. […] verlässlich Schöne an der Ratcon ist die alljährliche Gelegenheit, mal wieder in der Dortmunder Innenstadt herumzuspazieren, wo […]

  2. […] Mein im Grunde verspäteter Bericht von der Ratcon 2009 […]

  3. […] die Entscheidung stark erleichtert: Ich werde nicht die FSA 2010 aufsuchen. Ich werde stattdessen wie letztes Jahr auf der Ratcon […]

  4. […] Zuge des 25. Jubiläums einige Klassiker der DSA-Publikationen durch Ulisses neu veröffentlicht. Die Ratcon jenes Jahres war zudem von einigen Aktionen zum Thema „25 Jahre DSA“ […]

  5. […] klassischer DSA-Publikationen auf sich aufmerksam. Auf der wie immer durch FanPro veranstalteten Ratcon jenes Jahres bekam jeder Besucher gratis eine DSA-Plastiktüte, ein DSA-Abenteuer sowie einen Nachdruck des […]

  6. […] Deadlands bekamen wir einen Tisch, der zufällig in demselben Zelt lag, in dem wir auch schon letztes Jahr die Colts rauchen ließen. Zum Schutz vor Ästen von oben stand dieses aber diesmal […]


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