Verfasst von: Manuel | 16.03.2010

Your reboot is not gay enough

Okay, okay, ich hab’s verstanden: Batman Begins, Casino Royale, The Pink Panther, The Incredible Hulk, Terminator: Salvation, Star Trek, Sherlock HolmesReboot-Filme sind gerade der letzte Schrei.

Alte, muffige Filmreihen werden neu gestartet, die Origin-Stories nochmal von vorn erzählt und alles wird düsterer, knalliger, actionreicher, jünger.

Aber was sind diese Reboots nun? Frisch? Witzig? Zugänglich?
Nein.
Feige sind sie.

Ist ja schön, dass Bondgirls jetzt auch eigene Absichten verfolgen dürfen und dass Lieutenant Uhura jetzt doch ein bisschen mehr macht als ihre langen Beine um ihr Stühlchen herumzudrehen, um zu verkünden, dass der Kontakt zur Sternenflotte abgebrochen ist.
Aber ist das echt alles? Warum sind die Helden immer noch ausnahmslos stahlharte Kerle? Warum müssen sie immer noch als Beleg ihrer mächtigen Männlichkeit mindestens eine Flirt-, wenn schon nicht eine Sexszene pro Film bekommen? Und warum ist der Partner in derselben ausnahmslos eine sexy Tittenmaus?

Bis zu zehn Prozent der Bevölkerung sind homosexuell. Der Kinsey-Report wird gern damit zitiert, dass ihmzufolge etwa 90 Prozent „zu einem gewissen Grad bisexuell“ seien.
In den erfolgreichen Hollywood-Franchises ist davon bislang annähernd gar nichts zu sehen.
Die Reboot-Welle, die gerade über uns hereinbricht, hätte die Chance, ihre Koketterie mit dem Radikalen durch etwas tatsächlich Radikales zu fundieren, indem sie das ändert.

Rein gar nichts in der Richtung passiert.

Seit Jahrzehnten sind Kirk und Spock das beliebteste Paar der Fanfiction (und vielleicht wurde das Genre der Slashfiction sogar dadurch erst erfunden). Der Diskurs über den homoerotischen Subtext zwischen Batman und Robin ist fast so alt wie das dynamische Duo selbst. Die Wohngemeinschaft zwischen Holmes und Watson bietet sich für heimliche Annäherungen förmlich an.

Wenn deine Reboots so verdammt mutig und frisch sein sollen, Hollywood: Was soll ich damit anfangen, dass Spock jetzt Uhura knutscht? Wo sollen uns Bonds Verführungskünste hinbringen, wenn er sie doch nur immer bei Frauen verwendet und seine Gegenspieler doch nur immer Männer sind? Und wie willst du mich noch überraschen, wenn in den BatmanFilmen dann Robin auftauchen soll?

Du willst also Spider-Man neu auflegen. Schon wieder.
Du willst also die „Fantastic Four“ neu auflegen. Schon wieder.
Du willst also das „Karate Kid“ neu auflegen. Weshalb auch immer.

Nur: Wie oft soll ich mich noch durch Testosteronphantasien quälen, in denen heterosexuelle Abenteuer zum Parcours gehören?
Reboots hätten die Chance, damit zu brechen. Sie sind nur zu feige dafür.

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Responses

  1. Zumindest bei Star Trek ist das eine durchaus gerechtfertigte Frage, weil man sich hier ja seit Jahrzehnten damit brüstet, mit einem Kuss zwischen Uhura und Kirk gesellschaftliche Schranken aufgebrochen zu haben.
    Das hätte man jetzt mit einer Homo-Romanze wieder leisten können, aber man sah als natürliche Steigerung der Rassenüberwindung eben die Spezies-Überwindung. Ist halt Sci-Fi :-)

    Bei Sherlock Holmes haben sie sich einfach nicht richtig getraut und ich denke, der Rest hat da nie diesen Anspruch gehaben. Das Reboot macht man ja nicht, um gesellschaftliche Debatten anzustoßen.

    Über den Batman-Reboot bin ich verdammt froh, Bond halte ich für gelungen und alle anderen sind in der Tat unnötig. Aber das nur nebenbei.

  2. Natürlich haben Reboots allesamt nicht diese Absicht.
    Aber sie brüsten sich allesamt damit, frisch und gewagt zu sein.

    Klar muss jetzt nicht jeder einzelne Reboot ausgerechnet mit Gaysex für den Protagonisten aufwarten, um gut zu sein. Einige von ihnen warten auch mit echten Neuerungen auf, die für sich schon respektabel sind (Bond gehört mMn dazu).
    Aber das absolut kein einziger davon es schafft, so eine Neuerung darin bestehen zu lassen, wenigstens anzudeuten, der Held könnte nicht heterosexuell sein, ist doch kein Zufall.

  3. Ich weiss auch nicht, warum es da solche Schranken gibt. Homosexuelle gibt es im Kino entweder nur, wenn explizit homosexuelle Themen angesprochen werden sollen, oder als Witzfigur, in der Regel der beste Freund in der RomCom.

    Man rechnet vielleicht einfach, dass 10 Prozent Homosexuelle eben dann auch nur 10 von möglichen 100 Prozent Zielgruppe sind.

  4. Ja, das ist wahrscheinlich ungefähr die Denke, die dahintersteckt: Für die Schwulen gibt es Schwulenfilme und für alle anderen gibt es schwulenfreie Filme.

    Und dass das im Umgang mit dem Thema das wirtschaftliche Erfolgsrezept der Filmindustrie unserer Zeit ist, zeigt wohl: Schwule Sternenflottenoffiziere will keiner sehen. Selbst dann nicht, wenn sie die ganze Menschheit retten.

    So sieht der Stand von Gleichberechtigung und „Ich hab ja nichts gegen…“ derzeit aus.

  5. Sacht mal ihr da draußen: kennt ihr „The Tick“? Also die Realserie? Die müsst ihr euch bitte mal reinziehen.

    http://en.wikipedia.org/wiki/The_Tick_%28live_action_TV_series%29

    Erstmal Teil Eins um zu kapieren, worum es geht, und dann passend zum Thema des Posts „Couples“ und „The Big Leagues“.

    ROFL.

  6. Nein, davon kenne ich bis jetzt nur den Namen. Nehme ich mir aber mal vor, danke für den Tipp!


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