Verfasst von: Manuel | 19.04.2010

Louie, Louie, me gotta go

„Louie Louie“ gehört zu den simpelsten Rocksongs, und nicht zuletzt deshalb ist er sicher unter den meistgecoverten.
Die bekannteste, obschon gewiss nicht beste, Version ist die von den Kingsmen von 1963.

Die Genese, die dieses Lied von einem kubanischen Calypso der frühen 50er über ein für Teenagerpartys der 60er beliebtes Beatstück und eine 80er-Punknummer zu dem Rockstandard genommen hat, der es heute ist, ist hochinteressant.

Das Kurioseste an „Louie Louie“ ist aber wohl die Beschäfitgung des FBI mit der Aufnahme der Kingsmen. Quoth the Wikipedia:

Die Aufnahme der Kingsmen klang tontechnisch recht unprofessionell. Zudem nuschelte der Sänger und schluckte förmlich Worte. Darüber gab es diverse Geschichten. Die eine besagt, dass der Sänger zu dem Zeitpunkt der Aufnahme heiser war und deshalb nicht richtig singen konnte. Eine andere gibt Schwierigkeiten mit dem Mikrophon, das an der Decke hing und nicht auf die Größe des Sängers justiert werden konnte, weshalb er auf den Zehen stehend singen musste, als Grund für den verstümmelten Text an. […]
Es war wahrscheinlich gerade der verstümmelte Text, der das Stück so erfolgreich machte. Es wurde ein fester Bestandteil jeder Teenager-Party und es kursierten Texte, die angeblich original und vollständig waren unter den Jugendlichen. Es verbreitete sich die Ansicht, der Text wäre mit eindeutigen sexuellen Anspielungen gespickt und absichtlich unverständlich, um einer Zensur zu entgehen.

Liest man sich das durch, was Jack Ely in der tatsächlich miesen Aufnahme der Kingsmen gesungen hat, kann man allerdings wenig Zensurwürdiges erkennen:

Louie, Louie, oh no, me gotta go.
Yeah, yeah, yeah, yeah, yeah, said, Louie, Louie, oh, baby, me gotta go.

A fine little girl she waits for me
Me catch a ship for cross the sea.
Me sail that ship all alone
Me never think how I make it home.

Ah, Louie, Louie. No, no, no, no, me gotta go.
Oh, no. Said, Louie, Louie. Oh, baby, said we gotta go.

Three nights and days I sail the sea
Think of girl, oh, constantly.
Ah, on that ship I dream she there
I smell the rose, ah, in her hair.

Ah, Louie, Louie. Oh, no, sayin‘ we gotta go.
Yeah, yeah, yeah, yeah, yeah, but, ah, Louie, Louie. Oh, baby, said, we gotta go.

Me see Jamaica, ah, moon above.
It won’t be long, me see me love.
Take her in my arms again,
I got her; I’ll never leave again.

Ah, Louie, Louie. Oh, no, sayin‘ me gotta go.
Yeah, yeah, yeah, yeah, yeah, but, ah, Louie, Louie. Oh, baby, said, ah, we gotta go.

I said we gotta go now,

Let’s get on outta here.

Let’s go!

Aber egal: Obszönitäten, vorhanden oder nicht, rufen die Entrüstungsindustrie auf den Plan. Die Kinder, die Kinder, denkt denn hier niemand an die Kinder!

Die früheste Aktennotiz des FBI stammt vom November 1963. Eine Frau hatte in einem Geschäft in Indiana eine Single gekauft, die auf dem Wand-Label erschienen war, ohne sich dabei etwas zu denken, denn die Aufmachung der Schallplatte zeigte keinen Hinweis auf Obszönitäten. Später hätte sie dann erfahren, dass das Lied Louie Louie von der Schallplatte einen obszönen Text hätte, wenn man es statt auf 45 Umdrehungen pro Minute auf 33 Umdrehungen pro Minute abspielen würde. Ihrem Schreiben an das FBI hatte sie einen Text beigefügt, den sie von einer unbekannten Person erhalten habe. Der Text gäbe exakt das wieder, was auf der Single bei falscher Geschwindigkeit zu hören wäre. Das FBI gab das Papier mit dem Text in seine Labore zur Untersuchung weiter. Eine weitere Notiz betrifft einen Staatsanwalt, ebenfalls aus Indiana, der das FBI um Untersuchungen bat. Das FBI möchte bitte feststellen, ob die Schallplatte gegen das Gesetz zur „Verbreitung von obszönen Inhalten durch Verkauf oder Vertrieb” verstoßen würde. Falls das FBI etwas fände, könnte er dafür sorgen, dass die Täter eingesperrt würden.

Genau! Wenn man die Platte rückwärts und auf einem gefrosteten Kuchenteller statt einem Plattenspieler abspielt, dann kann man ganz deutlich exakt die geheimen Botschaften hören, die auch auf dem Zettel hier stehen, den dieser wildfremde Mann mir neulich am Bahnhof verkauft hat!
Fox Mulder und Dana Scully wurden also mit diesem hochproblematischen Fall betraut:

Das FBI nahm die Ermittlungen auf. Es sammelte gefälschte Texte, die in den USA kursierten, Beschwerden von besorgten Eltern, machte Fotos von Schallplatten, befragte Richard Berry und die Kingsmen. Das FBI nahm zwecks Ermittlungen Kontakt zur FCC und BMI auf.

Nette Geschichte für so ein hübsches kleines Stück Beatrock?
Mitnichten. Die Herren Bundesagenten nahmen ihre Arbeit nämlich alles andere als leicht:

Das FBI ermittelte 31 Monate und kreierte einen ca. 250 Seiten umfassenden Bericht. Es kam zu dem Ergebnis, dass man nicht in der Lage war, die Bedeutung des Textes der Louie Louie-Version von den Kingsmen zu interpretieren.

Einunddreißig. Monate. Zum Vergleich: Dieser Zeitraum dauerte etwa halb so lang wie später die gesamte Existenz von CCR.

Und als jemand, der Texte gerne sowohl schreibt als auch interpretiert, würde ich einiges darum geben, diesen 250 Seiten starken Bericht des FBI zu lesen. Ich weiß nicht, wieviel diese Ermittlungen gekostet haben, aber ich vermute, ich könnte dem FBI eine Interpretation liefern, die in drei Tagen und auf unter zweieinhalb Seiten fertig wird, ohne – selbst bei einem großzügig berechneten Stundenlohn – auch nur in die Größenordnung dieses Budgets zu kommen.

Mache ich aber nicht.
Stattdessen liefere ich hier eine weitere Version des Textes, den das FBI gerne bei Betriebsfeiern singen darf:


Louie, Louie, oh no, me gotta go.
Yeah, yeah, yeah, yeah, yeah, said, Louie, Louie, oh, baby, me gotta go.

The F-B-I is after me
Cause me sing unintelligibly.
The words so hard to understand,
They search for them across the land.

Ah, Louie, Louie. No, no, no, no, me gotta go.
Oh, no. Said, Louie, Louie. Oh, baby, said we gotta go.

Thirty months they rotate,
Question and investigate.
Me never thought me song’s so rad,
That agents go completely mad.

Ah, Louie, Louie. Oh, no, sayin‘ we gotta go.
Yeah, yeah, yeah, yeah, yeah, but, ah, Louie, Louie. Oh, baby, said, we gotta go.

Two-hundred-fifty pages full
Of report bout me song they pull.
It says they still got no idea
About the lyrics that they hear.

Ah, Louie, Louie. Oh, no, sayin‘ me gotta go.
Yeah, yeah, yeah, yeah, yeah, but, ah, Louie, Louie. Oh, baby, said, ah, we gotta go.

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Responses

  1. Trollierung damals ganz ohne Internet? Unmöglich!

  2. Die Liveversion der Kinks ist übrigens – wenn auch der Mitschnitt noch mieser klingt – deutlich überlegen.


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