Verfasst von: Manuel | 20.04.2010

Live Blogging: Winamp Shuffle

Von Socialissuesandstuff inspiriert verschieße ich dieses Trashwoche-Posting damit, einfach mal eine halbe Stunde Winamp im Shufflemodus laufen zu lassen und dabei zu kommentieren, was ich höre.
Jeder Song hat also maximal soviel Zeit, von mir kommentiert zu werden, wie er lang ist und was ich schreibe sind quasi freie Assoziationen.

Die Playliste ist ein Gerümpelhaufen aus gut zwei Monaten wild übereinandergetürmten Stücken.

PLAY


The CranberriesSaving Grace
Netter Song von ihrer verdammt guten „Bury the Hatchet“. Gar nicht so spektakulär allerdings. Wenn Dolores nicht so jodeln würde ein großartiger Song zum Einschlafen (und das ist nichts schlechtes – Schlaf ist sehr intim und man sollte nicht irgendwelchen Quatsch dabei hören).
Strukturell verdammt simple Strophe-Bridge-Refrain-Schleife. Harmonisch sogar noch einfacher: Durchgehend wird I-IV-V-V gespielt, konkret in C-Dur: C-F-G-G. Gitarrensound ist typische Cranberries-Ware, das Schlagzeug ist wie immer saubere Arbeit.

Die Fantastischen Vier – Millionen Legionen (live)
Vielleicht das beste Stück Hiphop, das ich kenne. Allein die Didgeridoo-Intro mit Thomas‘ Monolog ist großartig. Der Text ist mit einer Sorgfalt konstruiert, die locker durch jede Zeile trägt.
Ich hab mal gelesen, dass Thomas auch hauptverantwortlich für die musikalischen Hintergründe der Stücke ist. Musikalisch ist diese Nummer auch großartig: Das Treibende, das diesen Song ausmacht, kommt nicht zuletzt durch das Abwechseln zweier Dur-Akkorde, die genau einen Ganzton voneinander entfernt liegen. Normalerweise bewirkt das einen Spannungsaufbau, den man mit einem auflösenden Akkord beendet. Oft für Bridges verwendet. Hier wechselt das aber weiter durch den Song hindurch. Es gibt nur diese beiden Akkorde. Das ist harmonisch sehr ungewöhnlich, aber es funktioniert prächtig.
Instrumentiert ist das ebenso klasse. Das Sitar am Schluss ergänzt den Sound prima um hohe Klänge und spielt dabei ein tolles, eingängiges Riff. Der Rhythmus bringt den Song auch weit voran.
Eigentlich ist das überhaupt nicht mein Genre. Sogar die Fanta4 kann ich nur ganz selten hören. Aber wenn ich etwas zugunsten von deutschem Hiphop sagen müsste – „Millionen Legionen“ könnte es sein.

TocotronicIm Zweifel für den Zweifel
Toller Gitarrensong von ihrem 2010er Album „Schall und Wahn“. Ich finde es ja gut, wie erwachsen sie geworden sind, glaube aber, dass sie jetzt erst recht vielerseits viel zu ernst genommen werden. Ich glaube nicht, dass man tierisch grübeln muss, um einen Song wie diesen zB. zu verstehen. Man kann. Aber so unheimlich schwierig ist er nun auch nicht.
Interessant finde ich hier übrigens, wie die Schwermut des lyrischen Ichs mit der dünnen Instrumentierung unterstrichen wird: Kein Schlagzeug, kein Bass, nur eine Gitarre – und Streicher (und dieses komische Geräusch am Anfang). Und diese begleiten mit Melodien, die alles andere als naheliegend wären.

AerosmithLivin‘ on the Edge
Diese Band wird nicht mehr oft gespielt. Wenn aber doch, ist es viel zu selten dieser Song. „Living on the Edge“ war wahrscheinlich der erste Song, mit dem ich Aerosmith überhaupt wahrgenommen hab. Mit diesem wacky Musikvideo auf MTV (die Legende, dass das früher ein Musiksender war, stimmt übrigens echt). Einer der größten Momente der Musikvideos der 90er war sicher dieses Gitarrensolo auf Bahnschienen, von denen der Gitarrist heruntertritt, einen Moment bevor er vom Zug überrollt werden würde.
Und Mann, hat dieser Song damals gerockt. Das war hartes Zeug! Ist es immer noch und wird es immer sein, aber so hart rockig hatte ich Musik bis dahin selten wahrgenommen.
Die Stelle in der Mitte, mit dem Windgeräusch in der Stille und dem plötzlich einsetzenden Schlagzeug ist immer noch klasse.
Dieser ausufernde Refrain zum Schluss auch.
Die letzten vierzig Sekunden des Tracks über ist der Song eigentlich schon vorbei, sahnt aber noch einen prima Soundmischmasch ab. Herrlich radiountauglich. Wird wohl unter anderem deshalb so selten gespielt.

Die ÄrzteLied vom Scheitern
Die hab ich ja damals noch live gesehen! Also keine Animositäten, wenn ich dadrauf jetzt keinen Bock hab!

NEXT TRACK

Bad ReligionMillion Days
Kennt wieder keine Sau. Klar, Bad Religion. Aber Million wat?
Ihr „Into the Unknown“-Album war ein derber Reinfall, weshalb davon niemand mehr weiß. Zu Unrecht: Die Scheibe ist zwar kein Meisterwerk, aber ziemlich gut ist sie. „Million Days“ ist ein Beispiel dafür, grundsolider Gitarrenrock.
Sehr kurze Strophen und Bridges, nur eine Zeile Refrain, ziemlich ungewöhnliche Harmonien.
Wie lange waren nochmal eine Million Tage? Ich hatte das mal ausgerechnet, um dem Inhalt auf die Spur zu kommen und ich glaube, das waren knapp 2000 Jahre. Ich vermute also eine Anspielung auf die „abendländische Kultur“ nach Christi Geburt: A million days is worth one good laugh.
Scheiß auf das Erbe und die Vergangenheit. Du und die Menschen um dich herum zählen. Ich denke, auf sowas will der Song hinaus.

Herbert GrönemeyerViertel vor

Einer der spaßigsten und besten Tracks von „Mensch“. Den ich aber lieber ein anderes Mal höre.

NEXT TRACK

Deep PurpleBlack Night
Hehehehe…
Die fantastische Schlagzeugintro in diesem Stück hatte mich sofort für Antares vereinnamt. Eine Episode aus meinem Leben, von der Sorte, die man stark glorifiziert und die in Wirklichkeit sicher viel profaner waren, als sie in der Erinnerung scheinen:
Ich war da vielleicht 17 und das alljährliche Herzberger Tierparkfest vor allem ein Weg, einen tollen Abend mit den Jungs zu verbringen. Und dann stehen wir vor dieser Bühne und die haben eine Rockband!
Eine richtige, nicht nur mitvierziger Schlagerspacken! Jugendrocker! Und sie packen diese Hardrocknummer aus und rocken den Laden ganz massiv. Dieser androgyne Sänger (oder war das doch ein Mädchen?) mit dem grauen Shirt hat mich beeindruckt.
Die anderen nicht. Mein bester Freund fand die Musik okay, konnte meine Begeisterung aber nicht teilen. Mein zweitbester Freund hat nur den Kopf geschüttelt ob meiner Geschmacksverirrung.
Verdammte Banausen, Antares hatten es echt drauf!

STOP


Responses

  1. Das Video zu Aerosmiths Crazy war das Reizsignal an den Hypothalamus, meine Pubertät auszulösen. Jeder hat so seinen Aerosmith-Moment.

  2. Ach, das… Ja. Das war… öhm… crazy… ;)

  3. […] someone in my head but it’s not me Ergänzend zum anekdotischen Teil des Shuffle-Postings (und als Fußnote zum Musik-zum-Einschlafen-Teil): Ich habe mal – 2005 war das – […]

  4. […] Blogging: Winamp Shuffle 2 Weil das gestern schon so gut als Contentmaschine funktioniet hat: Nochmal eine halbe Stunde durch meine Playliste […]

  5. […] teile ich jetzt mal eine halbe Stunde Winamp-Playlist mit euch. Das ist inzwischen nicht mehr die Liste der vorigen Shufflingartikel: Ich habe Heiligabend bei meinen Eltern verbracht, und nach […]


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