Verfasst von: Manuel | 24.04.2010

Döner

Ich weiß nicht, wann ich meinen ersten Döner gegessen habe.
Aber ich kann mich noch gut an eine Zeit erinnern, in der es (für mich) noch keinen Döner gab. Imbissbuden gab es da allenfalls mit Fritten und Wurst. Selten Hamburger.
Ende der Neunziger hatte mich die Fladenbrotmahlzeit aber längst überzeugt: Es gab einen Türken in unserer Stadt, der ziemlich gute Arbeit ablieferte und ziemlich leicht erreichbar war. Selten gab es eine Woche, in der ich keinen Döner aß.
Ich begann, mir Döner als Mittagsmahlzeit mitzunehmen, indem ich vom Gymnasium einen Umweg über die Dönerbude nahm. Wenn ich gegen Mittag eine Freistunde hatte, nahm ich die Zeit für einen Ausflug zum Türken.
Das Zeug war in meiner Stufe überall beliebt, da war ich nichts besonderes. Aber der Betreiber unserer Dönerbude kannte mich bald persönlich wegen meiner häufigen Besuche dort. Eine meiner Lehrerinnen gab mir irgendwann ein Buch über Döner zu lesen, dessen Titel zu recherchieren ich gerade keine Lust habe: Darin stand, dass Döner gesünder und sättigender als die meisten anderen Fast Foods sind (klar – Bratwurst mit Gemüse ist mir noch nie untergekommen), aber auch einiges über Geschichte und Verbreitung; war nett zu lesen.

Als Freistunden um die Mittagszeit in der Oberstufe häufiger wurden, fingen zu Beginn derselben regelrechte Pilgerfahrten zur Dönerbude an. Ich fand das unökonomisch und übernahm es schnell, anderen ein paar Döner mitzubringen. Der freundliche Türke bedankte sich bei mir mit hübschem Mengenrabatt.
Das wurde mit der Zeit etwas abgedreht: Wenn man für eine gewisse Personenzahl etwas bestellen will – gerade, wenn da Mädchen dabei sind – häufen sich schnell die Sonderwünsche; also radelte ich alsbald mit einem Bestellzettel los. An den krasseren Tagen nahm ich mir lieber gar nicht die Zeit, diese ganze Liste vorzulesen und legte sie einfach auf den Tresen.

„Äh… Moment. Da kommt außerdem noch einer mit Chilisoße, aber ohne Zwiebeln dazu. Was kostet der noch?“
„Kriegst du von mir.“

Mittagessen war manchmal sehr spaßig, damals.

Ich denke natürlich nicht jedesmal an all das, wenn ich wie heute einen Döner zu mittag esse. Aber ich denke fast immer daran, was für ein leckeres Essen das doch ist.
Und daran, wie gut es ist, dass wir es heute haben.

Advertisements

Responses

  1. Vor Jahren ging mal eine Mail rum, in der ausführlich dargelegt wurde, warum Döner gesünder sind als Currywurst. Da gab’s noch irgendwas hinterher, dass das (surprise surprise) von den Dönerlobbyisten lanciert wurde. Von denen ist sicher auch das Buch.

  2. @Sebastian
    Den Gedanken finde ich nicht unrealistisch. Darlegungen, wie irre gesund und wohltuend beliebiges Fastfood ist, sollte man wohl etwa so lesen wie die regelmäßigen Verlautbarungen, wie praktisch und vorteilhaft regelmäßiges Schokoladeessen ist.
    Dass Fleisch+Brot+Gemüse zumindest nahrhafter ist als Wurst+Fritten leuchtet mir dennoch ein.

  3. […] Cleanternet-Artikel hat es auf Platz drei der Google-Suchergebnisse geschafft und mein Text über Döner ist als “Liebeserklärung an den Döner” auf Imbisskult.eu verlinkt worden. Beides […]


Das muss kommentiert werden!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: