Verfasst von: Manuel | 25.04.2010

Live Blogging: Winamp Shuffle 4

Eine halbe Stunde durch die Playliste geshuffelt… Here we go!

PLAY

Lou ReedWalk on the Wild Side
Ich mag solche Basssounds. Überhaupt ist dieses Stück sehr angenehm instrumentiert und Lou geht den Gesangspart auch sehr schön lässig an.
Diese Homosexualitäts/Transgender-Geschichte, die der Text abzieht, wird damit angenehm unaufgeregt und unspektakulär an den Hörer getragen.
Dieser Damenchor ist sowieso klasse, doopdoodoo, doopdoodoo doo doopdoodoo… Ist wohl ebenso international funktionsfähig wie Trios „Da da da“.
Das Saxophonsolo am Ende ist ein bisschen käsig, weil es so unmotiviert reingeklatscht klingt. Kann dem Song von seinem Charme aber auch nichts nehmen.

George HarrisonIf Not For You
Ich weiß nicht, warum ich fast ausschließlich die glattgebügelte, etwas kitschige Version von Harrison in den letzten Jahren höre. Als ich auf diesen Song aufmerksam geworden bin, kannte ich ihn nur von Dylan. Das war wiederum in meiner Zivildienstzeit. Ich wohnte in einem Zimmer, hinter dessen Türe sich ein langer, schmaler Korridor erstreckte und im Sommer war ich tatsächlich manchmal bis in die Morgenstunden wach, als die Sonne schon wieder durchs Fenster schien und ich die dicken Vorhänge schloss, um noch Schlaf zu bekommen. Hinter dem Fenster breitete sich schon nach ein paar Metern dichter Wald aus, so dass ich nach dem Frühlingsanfang tatsächlich oft die Vögel hörte.
Der Text hatte also eine sehr konkrete Fassbarkeit für mich.

The DublinersThe Black Velvet Band
Sehr schönes Stück, und einer der Gründe, warum ich schon sehr früh die Iren um ihre Volksmusik beneidet habe. Ich bewundere auch die erzählenden Texte solcher Weisen.
Kürzlich erst ist mir aufgefallen, dass der Refrain dieses Songs zuerst wie eine schmachtend-kitschige Liebeserklärung klingt, sich aber durch den Verlauf der geschilderten Ereignisse schließlich als eine Täterbeschreibung entpuppt.

The DublinersFinnegan’s Wake
Ah, nochmal irisch. Lots of fun mit dieser lustigen Totenwache, die ich mir ein anderes Mal gebe.

NEXT TRACK

Pink FloydBrain Damage / Eclipse
Hier knipse ich den Shufflemodus mal aus, um den anschließenden Song „Eclipse“ hineinzubekommen, sonst wirkt das Ende immer so abrupt und abrupte Enden sind fast so schlimm wie Fadeouts.
Ein Song übers Durchdrehen, und darüber, Geduld auch mit schwierigen Menschen zu haben:

And if your head explodes with dark forebodings, too,
I see you on the dark side of the moon.

Man könnte mir unterstellen, dass ich nur meine tiefe Liebe zu diesem Song mit intellektuellem Geschwafel rationalisiere, die dieser sich auch noch mit Damenchören und Orgeln erkauft, aber hey: Damenchöre! Und Orgeln!
Der Übergang zu „Eclipse“ funktioniert erstaunlich gut. Gut deshalb, weil die Taktart von 4/4 zu 6/8 wechselt und der Grundton auch noch. „Eclipse“ wiederum ist ein etwas düsterer Abschluss dieser Dilogie, denn für den Durchgedrehten gibt es letztlich keine Hoffnung:

And everything under the sun is in tune,
But the sun is eclipsed by the moon.

Die Sonne selbst kann nicht mehr gesehen werden, denn der dunkle Mond ist davor. Und, wie uns der gesprochene Schlusssatz noch mitteilt: „There is no dark side of the moon really. Matter of fact, it’s all dark.“ Es ist letztendlich alles düster für einen Lunatic.

Mazzy Star – Be My Angel
Hatte mich „Flowers in December“ für Mazzy Star interessiert, hat „Be My Angel“ mich von ihnen überzeugt. Diese rastlose 6/8-Ballade ist bis heute mein Lieblingssong von diesem Duo und in meinen Ohren auch weit dem vermutlichen Nachfolger „Fade into You“ (ihrem größten Singleerfolg) überlegen.
Sogar einer meiner eigenen Songs ist wahrscheinlich von „Be My Angel“ inspiriert.
Die Hawaiigitarre trägt einiges zur Konfusion dieses Songs bei, aber die Rhythmusgitarre und ihr Sound sind die eigentlichen Träger, denn immer wenn sie mit dem Schlagzeug aus- und dann wieder einsetzen, gewinnt die Nummer mächtig an Fahrt.
Sandovals ätherische Entschlossenheit produziert dabei beeindruckende Forderungen nach klaren Verhältnissen:

Don’t say you love me if you don’t need me,
Don’t send me roses on your behalf.

ColdplayViolet Hill
Die Leadsingle von ihrem immer noch aktuellen Album „Viva la Vida“ und natürlich deutlich besser als der bekanntere Titeltrack. Damals von der Band selbst als kostenloser mp3-Download zur Promotion veröffentlicht – ein Download, den ich nie bereut habe.
Schön, dass diese Band immer noch Rocksongs ohne Riffs, ohne „Ohohoh“-Singalongs und ohne klare Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Strukturen veröffentlicht.
Auch hier starke Reflexionen über Verrat und Lügen, unterstrichen von der Forderung nach Offenheit:

I took my love down to Violet Hill,
There we sat in the snow.
All that time, she was silent still.
So if you love me, won’t you let me know?
If you love me, won’t you let me know?

Bob DylanDesolation Row
Ach du je. Der überzieht mir jetzt die halbe Stunde aber gewaltig. Ich würde gerne ein paar Worte hierüber sagen, über die Bezüge, die „Watchmen“ auf den Song nimmt, über die Version von My Chemical Romance und über unsere Entscheidung, den Song mit Brutal Violins zu covern. Aber nicht jetzt.

NEXT TRACK

The DublinersWhiskey in the Jar
Dann eben nochmal irisch, na warum nicht. Ich finde ja diesen Song immer noch am tollsten, wenn richtige Iren den spielen, denn was im Schatten von Thin Lizzy aus der Nummer geworden ist, hat das Label „Rock“ eigentlich samt und sonders viel weniger verdient als das Peppig-folkige, das davor kam. Zudem: Wie kann man diese epische Geschichte auf lächerliche drei oder vier Strophen zusammenkürzen? Das ist Frevel!
Songtexte zusammenkürzen ist überhaupt immer Frevel und verdient Hitradiohören nicht unter einer Stunde pro weggelassener Zeile!

STOP


Responses

  1. Du hast ja einen richtigen Dubliners-Fimmeln, da würdest Du dich gut mit meinem Vater verstehen. Ich schwöre ja auf die Pogues, ich habe da ein Faible für kaputte Typen. Aber die haben ja durchaus auch gemeinsam gespielt.

  2. @Sebastian
    Ich verstehe nicht genug von beiden Bands, um das richtig zu beurteilen, aber die haben sich wohl stark gegenseitig bereichert.
    Aber ja: Wenn das so ein Stones-oder-Bealtes-Oasis-oder-Blur-Ding ist, bin ich eher ein Dubliners-Typ.

  3. […] „Flowers in December“ war einer der beiden Songs, die mich vor fünf Jahren endlich auf Mazzy Star gestoßen haben, ein Duo, dessen Werk ich bis heute sehr schätze. Über die Leadsingle ihres dritten und bis heute letzten Albums „Among my Swan“ hatte ich hier schon mal geschrieben, über jenen anderen, „Be My Angel“, hier. […]

  4. […] mal eine halbe Stunde Winamp-Playlist mit euch. Das ist inzwischen nicht mehr die Liste der vorigen Shufflingartikel: Ich habe Heiligabend bei meinen Eltern verbracht, und nach einer Stunde Frank Schöbel und […]


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