Verfasst von: Manuel | 26.05.2010

Flix sucks: Stirb!

Ein weiteres Mal dreht uns Felix Görmann eine Episode seines Comictagebuchs an, die nicht im Mindesten witzig ist: Ein Vogel singt auf dem Balkon der Hauptfigur, fällt danach tot um und unser Held schaut stumpf auf ihn hinunter. Der Comic schließt mit den Worten „Wenn ich schon eines Tages gehen muss, dann bitte auch so: Auf meinem Balkon sitzend und aus vollem Herzen das tuend, was ich am besten kann. Danke.“

Dieser Comic ist verdammt mies getimt. Das passiert Flix oft: Manchmal zieht er eine Geschichte ewig hin und bekommt dann keine Pointe mehr rein, bevor seine vier Panels zuende sind, meistens ist seine Geschichte aber schon vorbei und er schwafelt noch weiter dran herum.
Hier singt der Vogel im ersten Panel eine schöne Melodie. Wahrscheinlich können wir froh sein, dass Flix der Einfall gekommen ist, das mit einer verzierten Sprechblase mit Noten darzustellen, statt „Sing! Sing!“ drüberzukritzeln. Andererseits hatte der Autor wohl sonst nicht viel zu tun mit dieser Episode, weil die ersten drei Panels weitgehend gleich aussehen und das vierte aus nichts weiter als Text besteht. Wir können annehmen, dass dieser Gesang mehrere Minuten dauert. Im zweiten Panel stürzt der Vogel auf den Balkon – ein plötzliches Ereignis, das die bisherige Handlung unterbricht. Die Fragezeichen-Sprechblase zeigt, dass das Panel auch noch darstellt, wie der Held sich wundert, aber all das kann höchstens ein paar Momente dauern. Das erhöht das Tempo drastisch, narrativ ist das der Punkt, an dem bereits eine Pointe liegen müsste, es sei denn ein noch kürzerer Moment im nächsten Panel bringt dieselbe. Das plötzliche Anziehen das Erzähltempos ist, als ob ein langanhaltendes Anschwellen langgezogene Töne spielender Instrumente von einem plötzlichen, gemeinsamen Akkord unterbrochen wird: Man baut Schlusspunkte auf diese Art.
Flix‘ Vogelcomic geht aber noch geschlagene zwei Panels weiter. Im dritten glotzt der Protagonist nach unten, wo außerhalb des Bildes der tote Vogel liegt. Weil – anders als in den ersten beiden Panels – jede Andeutung von Bewegung fehlt und weder die pathetische Miene noch die stifthaltende Hand von Flix danach aussehen, als würde dieser gleich was tun wollen, wirkt dieses Panel, als ob es eine ganze Weile darstellt. Vielleicht keine so lange Zeit wie das erste, aber eine deutlich längere als das zweite. Das Erzähltempo hat wieder drastisch abgenommen, die Chance, einen Schlusspunkt zu setzen, ist vertan. Das vierte Panel trieft so vor Schwermütigkeit, dass man meinen kann, es nimmt den ganzen restlichen Tag in Anspruch.

Das wirklich traurige an diesem Comic ist nicht der wortreiche Abschlussgedanke, der ihm viel zu spät kommt, sondern das (wieder einmal) völlige Fehlen von Humor. Flix malt ein süßes Vögelchen und lässt es dann sterben. Wie kann das nicht witzig sein?
Ernsthaft: Das ist ein zuverlässiges Rezept für Witz – man führt etwas sehr sympathisches ein und lässt daraufhin etwas schreckliches damit geschehen. So funktioniert guter schwarzer Humor. The Perry Bible Fellowship macht das immer wieder so. Und es ist immer wieder richtig witzig.
PBF hat sogar schon einen Witz gemacht, in dem der Protagonist einen verstorbenen Vogel betrauert – UND es ist ein Pimmelcomic; zwei Dinge, von denen Flix keines brauchbar verarbeitet kriegt.
Warum kriegt Flix das nicht auf die Reihe? Weil er überflüssiges Zeug erzählt, das seine Geschichte nicht braucht. Weil seine Geschichte das Timing eines Fahranfängers in der ersten Fahrstunde hat. Und weil er viel zu viele Worte verbrät (vgl. die verlinkten Comics, von denen keines auch nur annähernd so wortreich ist wie allein das letzte Panel bei ihm).

Lieber Flix, wenn du eines Tages gehen musst, weiß ich nicht, ob es dich bei dem erwischt, was du am besten kannst. Hoffentlich findest du bis dahin aber heraus, was das überhaupt sein könnte.

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Responses

  1. So langsam ist dann aber genug mit flix-bashing. Wenn Dir die Comics nicht gefallen, lies sie nicht. Wir wissen jetzt, dass flix doof ist. Vielleicht bringste zur Abwechslung mal eine Personenverherrlichung eines guten Comiczeichners?

  2. Eher nicht. Ich schieße mich gerade ganz gut ein und lerne dabei auch dazu. Wahrscheinlicher ist da, dass ich als nächstes zu Ruthe-, Beetlebum- oder Nichtlustig-Bashing übergehe.
    Aber danke für das Feedback.

  3. Ruthe is auch so ein Phänomen… der hat mal tatsächlich „ganz nette“ Dinger gemacht. Zugegeben, nie wirklich gute, aber wenigstens „okay“. Früher…

    Kauf Dir die Rudi-Comics (schön in der richtigen Reihenfolge, die bauen z.T. aufeinander auf), lies sie in Ruhe durch, amüsier Dich über den köstlichen Stil und die akribischen Details, und dann schreibste ne ganz dolle Rezension davon.

    Oder Du kaufst Dir Return of the Dark Knight und The Dark Knight Strikes Again, liest die und freust Dich über die geile Wiederbelebung eines Superhelden.

    Oder Du kaufst Dir The Killing Joke in der Deluxe-Edition (!) und schnallst ab über dieses Wunderwerk.

    Oder Du kaufst Dir Blacksad „Irgendwo zwischen den Schatten“ und freust Dich darüber, wei geil eine Fabel sein kann.

    Aber bitte verschwende nicht Deine Zeit mit doofen deutschen Mainstream-Comics.

  4. Ui, ich wusste gar nicht, dass du so ein Comic-Kenner bist. Ich hab in den letzten Jahren allerdings sehr wenig Comics gelesen. Danke also für die Tipps.
    Ich habe mir letztes Jahr die gebundene Ausgabe „Watchmen“ zugelegt und war davon sehr überzeugt. Das wollte ich auch mal in eine Rezension gießen, hab mich aber nicht dran getraut, weil ich befürchtet hab, die Großartigkeit dieses Comics nicht in angemessene Worte fassen zu können.

    Millers „Dark Knight“-Comics oder „V for Vendetta“ wären wahrscheinlich das nächste, was ich in der Richtung versuchen würde, guter Tipp also.

    Schau: Zivilschein wird kein Comic-Hassblog werden. Ich mach hier noch einen oder zwei Texte von der Sorte, dann mach ich wieder was anderes oder lager die Comickritik auf ein eigenes Blog aus. Ein paar Tage musst du’s also nur noch aushalten, dann ist es hier aber wieder flixfrei. Okay?

  5. […] hey, immerhin ist das hier mal ein Witz und kein Pimmelcomic, er ist heucheleifrei und es existiert irgendwo eine Pointe. Das ist schon mehr, als wir in letzter Zeit von Flix sehen […]


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