Verfasst von: Manuel | 11.06.2010

Flix sucks: No time to waste, copy and paste!

Flix war wie schon gesagt letztes Wochenende auf dem Comic-Salon in Erlangen und hat da an der Podiumsdiskussion über Comicblogs teilgenommen.

Beetlebum ebenfalls. Und vielleicht liegt es daran, dass der Beetlebum-Comic vom Mittwoch im Wesentlichen von Flix kopiert ist: Der Autor-Erzähler-Protagonist sitzt am Schreibtisch und referiert über mehrere fast identische Panels über die Vorteile digitalen Zeichnens. Sein Fazit lautet, dass das Kopieren sehr einfach ist, weshalb die Panels, in denen er referiert, fast identisch sind („Im Grunde arbeite am Rechner nur wegen Copy ’n Paste.(sic)“.
Nun ist das Jojo scheinbar nicht bewusst gewesen, aber den Witz hat Flix schon vor längerer Zeit gemacht: In seiner Version steht der Autor-Protagonist an einem Mikrofon und referiert über vier exakt identische Panels über den Vorteil seines Comictextes, davon abzulenken, dass die Panels, in denen er referiert, exakt identisch sind.
Das ist ein bisschen anders erzählt, aber es ist derselbe Witz:

  • Beide Comics haben praktisch nichts als sich selbst zum Inhalt.
  • Beide stellen zentral ihren Autor dar, wie er gerade den Comic reflektiert.
  • Beide konstruieren zunächst die Illusion einer vor sich gehenden Handlung, die anschließend brechen, indem sie selbst auf die Illusion als solche hinweisen.
  • Sie sind sogar sehr ähnlich strukturiert: Sich in zwei Spalten (!) wiederholende Panels des referierenden Autors bilden den Aufbau, der Hinweis auf diese Wiederholung bildet die Pointe.

Felix Görmann hätte also gute Chancen, hier ein Plagiat anerkannt zu kriegen, was angesichts des Themas des Witzes schon ironisch genug ist.

Aber nicht nur erzählt Jojo einen alten Witz von Flix: Er erzählt ihn auch deutlich schlechter als Flix.
Zugegeben funktionieren die letzten beiden Panels bei ihm besser als in der älteren Version, weil sie eine einzelne saubere Pointe bilden, statt sie zu doppeln – und weil das einzelne verschiedene Panel zum Schluss einen guten Kontrast zum „Copy and Paste“-Thema bildet. Aber ungefähr da endet die Weiterentwicklung.
Während im Original die Sprechblasen die Hälfte jedes Panels ausmachen und so tatsächlich die Hauptaufmerksamkeit auf diesen lenken, ist der Text bei Jojo zwei bis vier schmale Zeilen am oberen Bildrand, wodurch die Identität der Panels sofort ins Auge fällt. Zwar versucht er, der Illusion durch die leicht variierten Bewegungsstriche am Stift zu helfen, aber das sabotiert einerseits die Identität der Panels und bringt andererseits die Illusion trotzdem nicht über die Runden: Spätestens im dritten Panel hört man die Pointe ohrenbetäubend laut trapsen, und da hat man den größten Teil des Comics immer noch vor sich.
Das ist ein weiterer Vorteil des Originals gegenüber der Kopie: Sie kommt eher zum Punkt. Flix erzählt, was er erzählen muss, um die Pointe vorzubereiten, und dann setzt er die Pointe (und dann setzt er sie im letzten Panel nochmal, aber immerhin ist das kein Post-Punchline-Geschwafel). Jojos Fassung zieht sich immer weiter in die Länge und setzt ein redundantes Panel hinter das nächste. Nähme man nur die ersten beiden und die letzten beiden Panels, hätte man weniger Zeit, die Pointe vorherzusehen, könnte sich 50% drögen Aufbau sparen und bekäme einen knackigeren Gag erzählt.

Aber gut, wirklich Arbeit gespart hätte das ja nicht.

(Flix hat kurz darauf zufällig eine Episode seines Comictagebuchs veröffentlicht, die die Copy&Paste-Nummer erfolgreich für einen komischen Effekt nutzt, um einen vollkommen anderen Witz zu erzählen.)

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Responses

  1. […] hat Beetlebum beschlossen, dass es nicht mehr ausreicht, ziemlich schlechte Comics ins Web zu stellen und hat zur Ergänzung noch eine dicke Schippe Maskulismus draufgelegt: Frauen, […]


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