Verfasst von: Manuel | 14.08.2010

Strategiespiel: Hero, Legend, Myth

Während ich „Epic War 4“ durchgespielt habe,1 fielen mir zwei Dinge daran auf. Das erste ist die Handhabung der drei Schwierigkeitsgrade in diesem Spiel. Das zweite ist seine übertriebene, aufgepumpte „Story“.
Beides zusammen ergibt eine verschenkte Chance.

Den Schwierigkeitsgrad wählt man nicht zu Beginn des Spiels. Man wählt ihn an, wenn man sich aussucht, welchen Level man als nächstes Spielt.

Für jeden Level gibt es einen „Normal“-Modus, einen „Hard“-Modus und einen „Epic“-Modus. Erst wenn man ein paar Levels in einem Schwierigkeitsgrad durchgespielt hat, wird der nächsthöhere ermöglicht. Zudem muss man jeden Level „von unten nach oben“ spielen, man kann also nicht „Hard“ oder „Epic“ spielen, wenn man den jeweiligen Level noch nicht „Normal“ geschafft hat.

Die eigentliche „Story“ geht nur bis Level 12, die darauffolgenden vier Level sind „Challenges“ mit einzigartigen Besonderheiten, die die Geschichte nicht weiter voranbringen. Ebenso tragen die beiden höheren Schwierigkeitsstufen die Geschichte nicht weiter. Man bekommt den Schluss erzählt, sobald man Level 12 im „Normal“-Mode geschafft hat.

Das verschenkt eine Chance auf ein Spielkonzept, das es meines Wissens nach so noch nicht gibt. Ich möchte es hier für ein angenommenes Strategiespiel vorstellen, dass ich „Hero, Legend, Myth“ nennen will.
Das Setting dieses Spiels kann im Grunde irgendeine beliebige fiktionale Welt sein, es müsste aber in einer vorindustriellen Zeit stattfinden. Die Handlung erzählt von einem Volkshelden, der sein Land gegen einen übermächtigen Angriff verteidigt, seine Bevölkerung von Unterdrückern befreit oder Ähnliches.
Umgesetzt wird sie in drei Kampagnen: „Hero“, „Legend“ und „Myth“.
Jede davon hat für sich relativ wenige Missionen, vielleicht 10 bis 15, und untereinander ähneln sie sich stark.

In der „Hero“-Kampagne erzählt der Held selbst seine Geschichte, vergleichbar mit Octavianus in „Die Siedler II“. Er berichtet zwischen den Missionen, teilweise auch in Einschüben während des Spielens, von seinen Schwierigkeiten, Truppen zu sammeln, dem Feind die Stirn zu bieten und schließlich in der entscheidenden Schlacht den Sieg davon zu tragen. Die Schlussnarration nach dem letzten Level spricht von Frieden und Wohlstand, die nun einkehren können, da der Krieg gewonnen ist und deutet eine lange Zeit der Erholung und des Florierens an.
Der Held indes, eine normale, vielleicht etwas düstere Figur, die nun zu Ruhm gekommen ist, setzt sch zur Ruhe.

Die schwierigere „Legend“-Kampagne wird durch einen Chronisten erzählt, der zu einer Zeit lebt, als der Held der „Hero“-Kampagne längst verstorben ist. Sein Handeln hat eine Blütezeit für sein Volk ermöglicht, in deren Folge die damaligen Ereignisse zur Legende wurden. Das Fehlen von Zeitzeugen oder bekannten Aufzeichnungen, die von den tatsächlichen Geschehnissen berichten könnten, führt zu einer reichhaltigen Ausschmückung der Vorgänge.
In der Erzählung durch den Chronisten ist der legendäre Held größer und eindrucksvoller und ihm stehen bessere Truppen zur Verfügung. Er ist aber auch raffinierter, denn sonst könnte er nicht der drastischen Übermacht des Feindes begegnen, die weit imposanter ist als in den „tatsächlichen“ Ereignissen. Jede Mission ist eine Variante der entsprechenden Mission der „Hero“-Kampagne, jedoch in größerem Maßstab. Die Erzählung ist ebenso eindrucksvoller, und nach dem Ende spricht der Chronist davon, was für eine glorreiche Zukunft für das gesamte Volk der legendäre Held durch sein Handeln für lange Zeit gesichert hat.

Die „Myth“-Kampagne, die schwerste der drei, wird von einem Geschichtenerzähler geschildert, der Jahrhunderte nach den berichteten Ereignissen lebt. Das Reich ist längst zerfallen und sein Erbe wurde durch ein anderes angetreten. Im Vermächtnis dieses Reiches, das bereits Geschichte ist, wurde die Legende zum Mythos. Die Geschichte um den großen Helden wurde zu einer Sage, von der viele nicht sicher sind, ob sie sich wirklich zugetragen hat, die wenigsten aber glauben, dass sie sich so zugetragen hat, wie sie erzählt wird.
Der Held selbst ist in der Version des Geschichtenerzählers eine groteske Überzeichnung seiner Figur aus der „Legend“-Kampagne. Erst hier stehen alle Truppen zur Verfügung, die das Spiel zu bieten hat, auch solche, deren Fortschrittlichkeit im historischen Kontext der Ereignisse gar keinen Platz gehabt hätte. Der Held ist ein Kriegsgenie, denn nur einem solchen kann es möglich gewesen sein, den immensen Gegnerscharen Einhalt zu gebieten. Auch hier ist jede Mission wieder eine überhöhte Variante der jeweiligen „Hero“-Mission, jedoch in größerem Maßstab, Die Erzählung ist absurd überhöht. Nach dem Ende wird die gesamte weitere Geschichte des vergangenen Reiches in pompösen Worten als pure Utopie zusammengefasst.
Der mythische Held wird als glorreiches Vorbild gefeiert, im Zweifel daran, ob es je wieder eine solch strahlende Figur geben könnte.

Kunden, die diesen Artikel lasen, lasen auch: Memento-Strategiespiel


  1. Epic War 4 ist übrigens nur für Fans der Reihe empfehlenswert, der zweite Teil war besser. []
Advertisements

Responses

  1. Falls jetzt jemand befürchtet, ich blogge jetzt jeden Tag eine Strategiespielidee: Seien Sie beruhigt! So wird es nicht kommen!


Das muss kommentiert werden!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: