Verfasst von: Manuel | 14.10.2010

Zivilschein-Interview mit Mathias Winter: „Die Hoffnung stirbt zuletzt!“

München an der ElsterUnweit der Grenze von Brandenburg zu Sachsen, wo die L60 die Schwarze Elster überquert, liegt seit über 700 Jahren ein kleines Dorf namens München (das übrigens keineswegs zu Beyern gehört). Etwa 20 Einwohner zählt es, und weil es neben der Rad- und Bootsfahrerkneipe „Münchner Absteige“ keine weiteren Geschäfte zu bieten hat, verweilen außer ihnen nur wenige Menschen länger als die paar Sekunden dort, die es braucht, um es komplett zu durchfahren.
Einmal im Jahr jedoch bringt das Oktoberfest tausende von Touristen aus den umliegenden Städten, der Region und anderen Teilen Deutschlands in das Dörfchen, das dann in wenigen Tagen mehr Leben erfährt als das ganze restliche Jahr über zusammen.

Merchandise-Bierdeckel Oktoberfest 2010

Erstmals veranstaltet wurde das „Oktoberfest in München an der Elster“ vom Uebigauer Unternehmer Mathias Winter und Partnern am ersten Oktoberwochenende 2001. Seither organisiert er das Volksfest jedes Jahr und konnte die Dauer aufgrund des Erfolges auf vier Tage ausdehnen.
Das zehnte Oktoberfest war für die Tage vom 30. September bis zum 3. Oktober 2010 geplant, geriet aber durch das Hochwasser der Schwarzen Elster in Schwierigkeiten: Der Veranstaltungstermin fiel in die Zeit des anhaltenden Katastrophenalarms, aufgrund der Untersagungen durch Stadt und Landkreis musste das Fest zunächst ausfallen. Der Elbe-Elster-Rundschau gegenüber sprach Mathias Winter von einem „Schlag ins Gesicht“. Ersatzweise wurde das Fest in aller Eile um eine Woche auf die Tage vom 7. Oktober bis zum 10. Oktober verlegt. Am Vortag der Eröffnung sprach ich mit Mathias Winter auf der Festwiese.

Blick auf die Festwiese

Zivilschein: Herr Winter, Sie sind Veranstalter eines Volksfestes am südlichen Zipfel von Brandenburg. In einem winzigen Ort namens München richten Sie das nun schon zehnte „Oktoberfest“ aus. Aufgekommen in einer Schnapslaune in den Neunzigern, nahm das Ganze erst 2001 auf der Festwiese in München an der Elster erstmals Formen an. Ist dieses erste Fest so gelaufen, wie Sie es erwartet haben?

Mathias Winter: Nein, natürlich nicht. Wir hatten diese Schnapsidee und dachten, wir machen einfach mal ein Oktoberfest in München für uns. Aber dann haben uns die Leute eigentlich schon beim ersten Mal überrannt. Von da an ist es natürlich jedes Jahr ein bisschen professioneller geworden.
Bis auf dieses Jahr halt…

Z!: In den ersten Jahren gab es starke Zuwächse der Besucherzahlen, das Festzelt ist immer größer geworden, das Fest wurde zunehmend über die Region hinaus bekannt. Hat dieses Wachstum im weiteren so angehalten?

Winter: Bis jetzt ist es in jedem Jahr ein bisschen mehr geworden, aber natürlich nicht mehr mit den Zuwächsen, die wir in den ersten Jahren hatten. Das gibt die Region ja auch einfach nicht her.

Z!: In diesem Jahr haben Sie das Oktoberfest zum zehnten Mal angekündigt, wurden aber mit dem katastrophalen Elsterhochwasser konfrontiert. Kurz bevor das Fest beginnen sollte hat Bürgermeister Andreas Claus die Genehmigung für das Fest entzogen. Wie haben Sie das aufgenommen?

Winter: Erstmal war ich am Boden zerstört: Was wird nun, wie gehts weiter, was wird mit den Kosten. Das schoss mir als erstes durch den Kopf. Ich musste den Kapellen, die Versorger, allen Veranstaltungspartnern absagen. Ich musste die Gäste informieren. Wie macht man das alles?
Und dann ging es auch los: Machen, machen, machen. Nachdenken konnte ich da nicht. Am Freitag ist mir eigentlich erst bewusst geworden, was da passiert ist.
Dann kam das Bangen und Zittern: Können wir es verschieben? Kriegen wir eine neue Genehmigung? Wie geht das alles weiter mit uns und mit dem Oktoberfest?

Z!: Können Sie denn unter den Umständen die Entscheidung des Bürgermeisters nachvollziehen?

Winter: Ja freilich! Im ersten Moment dachte ich: Muss ich halt. Wir hatten ja eine völlig trockene Wiese hier. Aber zweihundert Meter weiter kämpfte man mit dem Hochwasser.

Der Festwiese gegenüberliegende Wiese zwei Tage vor Festbeginn

Z!: Schon die Wiese gegenüber des Festzeltes ist jetzt beinahe ein Teich.

Winter: Die war sogar vollkommen überschwemmt!
Zweihundert Meter weiter wurden die Sandsäcke geschippt und wir wollten hier feiern. Das geht ja eigentlich nicht. Zumal auch Katastrophenalarm galt.
Wir haben das relativ schnell eingesehen, auch wenn es im ersten Moment schwer war.

Z!: Im Laufe der Jahre haben Sie durch den wachsenden Erfolg Tourismus aus ganz Deutschland für das Oktoberfest bekommen. Auch Presse- und Fernsehteams berichteten vor Ort, so der Sender Sat1.
Wie war das in diesem Jahr?

Winter: Wir hatten ja für Freitag und Sonnabend wieder enorm viele Busvorbestellungen. Die sind jetzt zum größten Teil storniert worden. Wir konnten ja erst am darauffolgenden Montag anfangen, über die Verschiebung informieren, da kommen nach und nach einige Bestellungen wieder ein, aber ebenso kommen Absagen wegen Terminschwierigkeiten. Damit müssen wir jetzt leben.

Z!: Am heutigen Vorabend der Eröffnung bangen Sie sicher um die kommenden Tage. Wie sieht denn Ihre Zuversicht für das zehnte Oktoberfest aus?

Winter: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“! Daran müssen wir uns halten. Ich denke, dass Freitag und Sonnabend gut funktionieren werden. Klar werden viele Gäste fehlen, die in den letzten 20 Jahren irgendwo in Deutschland verstreut wurden und sich auf das Vorwochenende eingerichtet haben. Aber andererseits gibt das auch mal anderen die Chance, Sonnabend vielleicht doch noch eine Karte zu ergattern…

Z!: Wie oft werden Sie das Oktoberfest in Zukunft noch veranstalten?

Winter: Für uns ist das hier inzwischen schon das „Oktoberfest 10.1“. Wir wollen das mal überstehen, dann sehen wir weiter!

Z!: Dafür alles Gute! Vielen Dank für das Interview, Herr Winter!

Ruhe vor dem Ansturm

Das Oktoberfest fand am Zweittermin statt und war durchaus ein Erfolg.


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