Verfasst von: Manuel | 15.12.2014

Der Hobbit

Ich habe Peter Jacksons Filmtrilogie „Der Hobbit“ im Kino gesehen und dazu auf Twitter schon einige Anmerkungen gemacht. Wegen der positiven Resonanz rette ich diese meine Notizen hier mal ins Blog.
Zunächst: „Die Schlacht der fünf Heere“ ist nicht nur Titel, sondern auch Inhaltszusammenfassung des dritten „Der Hobbit“-Films. Wer von diesem Film nicht enttäuscht werden will, sollte also besser keine epische Queste erwarten. „Die Schlacht der fünf Heere“ ist eher ein Kriegsfilm, so etwa wie „Matrix Revolutions“ einer ist.
Viel Kritik hat Peter Jackson bereits eingefahren, weil er ein relativ dünnes Buch in drei sehr lange Filme adaptiert hat. Mehr noch als in den „Herr der Ringe“-Filmen wird zudem verglichen, worin die Handlung von der Romanvorlage abweicht. Dabei hat man von der „Hobbit“-Trilogie wohl am meisten, wenn man sich davon löst, dass das eine Romanverfilmung sein soll. Vieles, was in Tolkiens „Der Hobbit“ erzählt wird, erzählen diese Filme nach. Aber gar nicht wenig in den Filmen ist aus „Der Herr der Ringe“ oder anderen Tolkien-Texten und wird im Roman „Der Hobbit“ allenfalls angedeutet. Peter Jackson hat sich diese Kritik natürlich selbst zuzuschreiben, weil er eben der Trilogie den Namen des Romans gegeben hat. Aber: Während Tolkiens „Der Herr der Ringe“ gerade keine Fortsetzung, kein Sequel zum Roman „Der Hobbit“ darstellt (und dieser erst recht kein „Prequel“ ist), ist Peter Jacksons „Der Hobbit“ allerdings das Prequel zu seiner „Herr der Ringe“-Filmtrilogie. (Ebenso sind als Romane weder „Der Hobbit“ noch „Der Herr der Ringe“ Trilogien – Peter Jacksons Filme dieser Namen aber schon.)

Die Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“ handelt von Freundschaft, neu geschmiedeten Bündnissen, eingelösten Versprechen. Frodo und Sam, Gimli und Legolas, die Elben und die Menschen, die Geisterarmee und Aragorn. Peter Jacksons „Der Hobbit“ handelt im Gegenteil von Verrat, zerfallenen Bündnissen, gebrochenen Versprechen. Ständig hintergehen die Figuren einander und brechen ihr Wort. Die Zwerge bestehlen die Elben. Die Elben lassen die Zwerge fallen. Bilbo beklaut die Zwerge, belügt Gandalf. Saruman misstraut Radagast. Der Herr von Seestadt lässt seine Leute im Stich. Thorin personifiziert quasi die Illoyalität. Auf nichts ist Verlass in „Der Hobbit“. Dementsprechend bekommt auch fast niemand einen guten Schluss – Tod und Enttäuschung sind als Lohn nicht auf die Antagonisten beschränkt. Insofern erzählt Peter Jackson ein Mittelerde, das – chronologisch gelesen – zu seinen alten Tugenden zurückfindet und darum aufblüht.
Ebenfalls ein zentrales Thema in den „Hobbit“-Filmen ist der Vater-Sohn-Konflikt. Bard siegt nur dank der Hilfe seines Sohnes, der sich dafür aber in der brennenden Seestadt zum Teil einer Kriegswaffe machen lassen muss. Thorin erbt den Wahnsinn seines (Groß-)Vaters, die Drachenkrankheit. Legolas zerstreitet sich mit seinem Vater, König Thranduil. Bolg folgt Azog in die Schlacht, und kämpft Seite an Seite mit ihm in den Schlussduellen gegen die Helden. Was immer man in Peter Jacksons Mittelerde werden kann: Jemandes Sohn sein ist ein verdammt hartes Los.
Die „Herr der Ringe“-Trilogie erzählte bereits, vorlagentreu in dieser Hinsicht, von mehreren Objektfetischen. Auch dieses Motiv ist in den Prequels viel stärker. Überhaupt sind nur wenigen Filmen angefasste Gegenstände so wichtig. Der Arkenstein. Der eine Ring. Stich. Orcrist. Der Schlüssel zu Erebor. Die Krone Erebors. Der schwarze Pfeil. Die Eichel… Es geht dabei nicht mal um MacGuffins – einen bedeutsamen Gegenstand zu halten ist ein per se ermächtigendes Moment in diesen Filmen.
Fetische sind diese Objekte insofern, als es jedenfalls keine sexuelle bzw. romantische Triebabfuhr gibt. Liebe – auch das kennen wir aus den „Herr der Ringe“-Filmen, ist nun aber noch deutlicher – geht gar nicht. Die eigentlichen Lovestorys sind hier die mit den Gegenständen. Dabei unterläuft Peter Jacksons „Hobbit“-Trilogie sich gewissermaßen selbst, weil Besitztum auch immer ins Verderben führt. Je mehr man (gegenständlich) hat, umso schlimmer wird das enden. Wer mehr will, ist auch immer verkommener. Das wird immer wieder neu durchgespielt – in der Stadt der Orks, am Bürgermeister der Seestadt, an Smaug, an Thorin und so fort. Das Gegenmodell zum verderblichen Raffen ist dabei die Familie. Die Gefolgschaft Thorins geht den Bach runter, sobald sie eben nicht mehr Thorin und seine Schwestersöhne (und Bilbo) sind, sondern der König und seine Untertanen. Bard ist als einzige Figur des Films glücklich, weil besitzloser und bescheidener Familienvater. Überhaupt ist Bard die eine tugendhafte Figur neben den Unsterblichen. Und damit praktisch ein Kontrast zu jedem anderen, der ihm begegnet. Im Gegensatz zu Peter Jacksons früherer Fantasy reiht sich „Der Hobbit“ damit in die düsterere Fantasy der Gegenwart ein, in der selbst Protagonisten oft eben auch keine Helden, sonden manchmal Schurken sind.
Vermutlich kommt da noch viel in die unvermeidliche Extended Edition, aber „Der Hobbit“ hinterlässt reichlich viele lose Enden. Was wird eigentlich aus Galadriel und Elrond nach ihrem Erfolg? Was aus Radagast? Wer wird der König unter dem Berg? Kriegen die Elben doch noch ihr Zeug zurück? Und die Menschen der Seestadt? Was wird mit Tauriel? Was aus Alfrid? Macht der als Grima Schlangenzunge später Karriere unter Saruman? Was machen die Seestädter jetzt? Teilweise schlägt dabei auch Prequelitis zu: Wohin geht Legolas am Ende und warum findet er Aragorn nicht? Wo ist eigentlich Arwen? Warum kümmert sich Gandalf 60 Jahre lang nicht darum, welchen Ring der Macht Frodo da nun hat?
Mit 144 Minuten ist „Die Schlacht der fünf Heere“ der kürzeste „Hobbit“-Film und sicher hat sich Peter Jackson die Kritik an dem langatmigen Ende seiner „Herr der Ringe“-Trilogie zu Herzen genommen. Der Geschlossenheit der Erzählung tun die zerfransten Handlungsfäden aber keinen Gefallen.

Gefragt habe ich mich gerade während des dritten Films, ob es dem Filmteam behördlich verboten wurde, Pferde für die Dreharbeiten zu verwenden. Geritten werden Wölfe, Schweine, Böcke und noch allerlei mehr. Wahrscheinlich kannn das auch der Film mit den meisten verschiedenen Reittieren sein.
Überhaupt hat „Der Hobbit“ von Peter Jackson eine Menge Fantasywesen zu präsentieren, mehr als schon „Der Herr der Ringe“. Unter anderem sogar Sandwürmer, und ein Film mit Sandwürmern kann ja wohl nicht schlecht sein!


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