Verfasst von: Manuel | 27.08.2009

Wie mir einmal durch den Kopf ging, dass ich in meinem Leben schon viel mehr erlebt und wieder vergessen habe als ich erlebt und in mein Tagebuch geschrieben habe

Ich nehme heute mal an einer Blogparade teil. Manuel Wolff von uiuiuiuiuiuiui.de hat dazu aufgefordert, an seiner Aktion teilzunehmen und einen Link zu seinem Blog zu setzen.
Eigentlich mache ich sowas nicht, aber Manuel hat ziemlich geweint, dass so wenig an seinen Blogparaden teilgenommen wird und außerdem geht es hier um Literatur!
Die Teilnahmebedingungen stehen hier, meine Kurzgeschichte mit dem Titel „Wie mir einmal durch den Kopf ging, dass ich in meinem Leben schon viel mehr erlebt und wieder vergessen habe als ich erlebt und in mein Tagebuch geschrieben habe“ folgt nun.


Anosognostisch blickte ich auf. Seit wann war ich schon auf dieser Veranstaltung? Sie strich mit ihren spitzen Fingern über meine Oberschenkel und hauchte: „Ich habe mal einen Böller angezündet und war so aufgeregt, dass ich das Feuerzeug weggeschmissen habe und den Böller in der Hand behielt. Mann, tat das weh.“
Ich trank den letzten Schluck des trüben Fusels aus meinem Glas und straffte mich, während ich wie ein Aphasiker stammelte: „Wichtig ist ja, dass man sich lieb hat und so.“
Sichtlich angeheizt blickte sie mich an wie ein katatonisches Fohlen und stöhnte hingebungsvoll: „Wenn du so weitermachst, schmeiß ich meinen Tampon in die Toilette!“
Ich verabschiedete mich, um etwas an die frische Luft zu gehen. Draußen war es kalt, verregnet, eisig kalt, nass, schwül, feucht, brütend heiß, trocken, angenehm kühl und sehr hell. Zwischen den herumstehenden Gästen liefen unzählige kleine Dodos umher. Ich ließ gerade meinen Blick schweifen, als eine Stimme neben mir flüsterte: „Sie ist ein lebensfroher Mensch, aber sie hat ja auch diesen dunklen Teil.“
Eine apraktische Gestalt in grauem Cocktailkleid saß neben mir auf einer Bank und streichelte ein Dodokücken, den Blick fest auf mich gerichtet. „Gefällt Ihnen die Party?“, waberte es mir entgegen, „Also mir nicht.“
Ich war zutiefst gelangweilt. „Geschmack ist halt auch Geschmackssache“, blubberte ich vor mich hin. Ich war immer so, wenn ich zu heiß gebadet hatte.
„Ich wäre schon längst gegangen, aber…“, fuhr die seltsame Person fort, „…bei Tieren bekomme ich immer Muttergefühle.“
Mit diesen Worten stand der Mensch auf und rannte davon in die enzephalopathisierende Nacht. Mir wurde unwohl und ich brüllte: „Nein! Erzählen Sie mir mehr von ihr! Welcher dunkle Teil?!“
Aus der Ferne erklang die Antwort: „Nee, entschuldigen Sie, hier kann ich nicht sitzen bleiben, ich stinke zu sehr nach Schweiß.“
Ich stieg über den Zaun. Ich schlug mich durch die Böschung. Ich schwamm durch den Pool. Ich lief vor den Wachhunden davon. Ich schwang mich an einer Liane über den Sumpf. Ich schlängelte mich durch das Minenfeld. Ich sprang über eine leere Bierflasche. Als ich aufs Pflaster kam, begegnete mir meine Mutter. Sie fragte mich mit mykotischem Tonfall, ob ich heute abend dieses Mädel endlich einmal, dieses Mädel, das mit dem Dirndl, ob ich sie nun, ob ich denn nun endlich einmal, dieses Mädel heute abend.
Verachtungsvoll sah ich sie an und rief: „Nee, hör mal, eine Katze erträgt das nicht, in der Nähe ihrer eigenen Exkremente zu sein.“
Dabei verbrannte ein Drittel der Straße wie in einem überkochenden Topf Samba Olé und der ganze Rest von ihr flog mit mir von hinnen und blieb fortan fern von allem.

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Responses

  1. Vielen Dank für die Teilnahme!


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