Verfasst von: Manuel | 30.03.2010

Eine Rede für die Internetsperren

Viele Politiker, Journalisten und andere Laien möchten dieser Tage gern in das schwierige, aber vieldiskutierte Thema Internetsperren einsteigen. Vielen fehlt es dazu leider an eigenen Argumenten und im Gewirr der heiß geführten Debatten ist es viel zu unübersichtlich, um sich selbst ein Bild von der Sachlage zu machen.

Die Zivilschein-Fachagentur für gezielte Rhetorik hat daher eine Rede erarbeitet, die die Notwendigkeit von Internetsperren mit den beliebtesten Argumenten untermauert und auf dem aktuellsten Stand der Diskussion verteidigt.

Gerne darf der gesamte Text von jedermann unter eigenem Namen weiterverbreitet, veröffentlicht und beliebig genutzt werden, denn er steht unter CC0.

Vorsicht: Da die vorliegende Zusammenstellung Erbrechen verursachen kann, wird das Weiterlesen nur abgebrühten Lesern empfohlen.
Sie wurden gewarnt.


Eine Rede für die Internetsperren

Meine sehr verehrten Damen und Herren, worüber wir hier heute abend reden, ist das Schlimmste, was es gibt, ja das Schlimmste, was man sich überhaupt nur vorstellen kann.
Es geht um sexuellen Missbrauch von Kindern, und weil da oft noch falsche Vorstellungen herrschen, lassen Sie mich an dieser Stelle ein paar Zahlen zu diesem schrecklichen Thema nennen.

Über 9000 Kinderpornos werden in jeder Sekunde im Internet angeklickt. Der Umsatz, den ein mittelständischer Kinderpornovertrieb dadurch monatlich macht, geht in die Milliarden Euro.

Über 99% aller in Kinderpornos missbrauchten Opfer sind Kinder. Mehr als 98% von ihnen sind unter 16 Jahren, über 80% sind unter 12, viele davon sind Mädchen.

Eine Menge dieser Kinder sind unter zwei Jahre alt, noch mehr unter vier Monate. Es sind die Kleinsten, es sind die Hilflosesten, es sind die Wehrlosesten.

Sie werden mit dem Besenstiel bearbeitet. Sie werden malträriert. Sie werden gefoltert. Sie werden verstümmelt. Sie werden zerhackstückt. Sie werden gefaltet, sie werden geknetet, sie werden geklebt. Sie werden rasiert. Sie werden gekocht. Sie werden durch den Fleischwolf gedreht. Sie bekommen Modern-Talking-Lieder vorgespielt. Sie werden mit dem Toyota Yaris umhergefahren. Sie müssen sich durch die Kopierschutzmaßnahmen von Ubisoft-Computerspielen quälen.

Jahrzehntelang mussten wir alle hilflos mitansehen, wie diese Bilder ganz frei im Internet verfügbar waren. Mit nur zwei Klicks oder einer einfachen Eingabe in einer Suchmaschine hat man sofort ein Riesenangebot dieser Scheußlichkeiten auf dem Bildschirm.

Dagegen konnten wir nichts tun. Diese Inhalte stehen in den USA, in Russland, in Indien, in Kasachstan, in Ägypten, in Burkina Faso, in Siam, in Narbonensis, in Karthago, in Maraskan, auf Cardassia, auf Yavin, in Ankh-Morpork, in Entenhausen, im Lande Mordor, wo die Schatten drohn, in Sachsen – da gibt es keine Gesetze und Kinderpornographie ist etwas Selbstverständliches. Dort können Sie nicht die Weltpolizei spielen und hineinregieren. Kinderschutz geht zwar über absolut alles, aber nur dann, wenn damit das Grundgesetz gemeint ist, die staatliche Souveränität muss natürlich unangetastet bleiben. Und die dürfen wir nicht mit einem Hinweisanruf bei ausländischen Ermittlungsbehörden verletzen!

Deshalb wollen wir von Deutschland aus den Zugang zu diesen Seiten sperren. Um ein Zeichen zu setzen, dass das geächtet ist. Wir wollen das nicht sehen! Damit können wir endlich Kinderpornographie im Internet verbieten. Denn das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein!
Für technisch versierte Vollprofis ist es nach jahrelangem Informatikstudium zwar möglich, mittels Spezialprogrammen die Internetsperren zu umgehen, aber alle normalen Nutzer können eine solche Umgehung gar nicht einrichten.
Kritiker werfen uns vor, das sei Zensur, das schränke die Meinungsfreiheit ein. Aber wer Kinderpornos als Meinungsfreiheit bezeichnet, dem muss ganz klar gesagt werden: Jeder Klick missbraucht die Opfer aufs Neue! Das Grundgesetz darf nicht im Weg stehen, Internetsperren einzurichten – das ist keine Zensur, das ist Kinderschutz. Und Kinderschutz, das habe ich schon gesagt, muss über alles gehen!

Darum müssen wir jetzt Internetsperren einführen, um in der ganzen Welt die Vorreiterrolle einzunehmen und ein glühendes Vorbild zu geben gegen die Kinderpornographie.

Wenn durch Internetsperren nur ein einziges Kind gerettet wird, dann hat sich doch die ganze Sache bereits gelohnt!

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Responses

  1. […] Eine Rede für die Internetsperren […]

  2. Vielleicht bin ich heute ein nicht in geistiger Höchstform, aber ich kann nicht sagen, ob das Obige eine Parodie ist, oder ob Du es tatsächlich ernst meinst.

  3. @michaeleriksson
    Lass mich mal so sagen: Wenn du die Argumentation entkräften möchtest, ist deine Energie besser verwendet, wenn du das anderswo als hier tust.

  4. Die Frage war durchaus ernst gemeint, vorallem eingedenk der zeitlichen Nähe zum 1. April. Von Deiner Antwort entnehme ich, dass leider auch dein Beitrag ernst gemeint war.

    (Und keine Sorge, ich habe längst gelernt meine Zeit nicht dort zu verschwenden, wo es offensichtlich aussichtslos ist mit Sachargumenten und Logik etwas zu erreichen.)

  5. @michaeleriksson
    Ich sehe gerade, dass du kein deutscher Muttersprachler bist. Daher: Entschuldigung ür meine Undeutlichkeit.

    Ich bin wirklich nicht der Meinung, die diese Rede da oben darlegt.

    (Ein Aprilscherz ist das trotzdem nicht. Zivilschein ist ein aprilscherzfreies Magazin.)

  6. Beim zweiten Durchlesen, sehe ich das mein zweiter Kommentar etwas verfrüht war:

    Ich bin es gewohnt, dass viele der Menschen, die absurde Ansichten unterschiedlicher Art haben (z.B. Kreationismus, übertriebene „political correctness“, Radikalfeminismus), bei jedweder Kritik mit aggressiver Ablehnung reagieren. Leider habe ich, mit diesen Erfahrungen im Unterbewussten, zwischen den Zeilen das Falsche gelesen, nähmlich ein „Verpiss Dich! Ich habe die absolute Wahrheit!“.

    Danke für die Klarstellung und Entschuldigung für das Missverständnis.

  7. […] Wie ihr wisst, bin ich ja inzwischen auch für Netzsperren, um ein sauberes und sicheres Internet für uns alle […]


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