Verfasst von: Manuel | 09.04.2009

Silent Hill

Videospielverfilmungen ftl!
Ernsthaft: Silent Hill? Was ist denn das für ein Käse?

Okay, es hat noch keinen Horrorfilm gegeben, den ich wirklich klasse fand (es sei denn, man zählt „Pitch Black“ als solchen).
Insofern: Können wir mal darüber reden, was diesen Film „gut“ macht in einem Sinne wie „Herr der Ringe“ gut ist oder „Memento“ oder „Fight Club“?
Oder gelten bei Horrorfilmen einfach ganz andere Regeln als bei allen anderen Filmen?

[Der] Anspruch, Zuschauer erschrecken zu wollen, ersetzt mMn nie und nimmer den Anspruch, eine stimmige Geschichte zu erzählen.

Das hatte ich mal über „The Ring“ geschrieben, und das bricht „Silent Hill“ in meinen Augen genauso das Genick wie eben schon „The Ring“.

Ich habe keines der Spiele gespielt und ich gestehe, dass das hier wahrscheinlich der beste Film auf Videospielbasis ist, den ich bisher kenne – aber was heißt das schon?1

Also da ist diese Adoptivtochter offenbar reicher Eltern, und nachts schlafwandelt sie und spricht dabei ab und zu von „Silent Hill“.
Außerdem malt sie tolle Bilder, die sie allerdings später verunstaltet, ohne sich danach daran zu erinnern.
Therapien schlagen bei ihr nicht an, daher informiert sich die Mutter im Internet über das Städtchen des bewussten Namens und entdeckt, dass es eine Geisterstadt ist, die durch einen großen Brand entvölkert wurde, der seit dreißig Jahren immer noch unter der Erde schwelt.
Daher denkt sich die Mutter – wer würde das nicht tun? – „prima, das hilft bestimmt“ und will mit dem Mädchen dorthin, während der Vater da sehr in Sorge kommt und deshalb widerspricht.
Naheliegenderweise fährt die Mutter mit dem Kind einfach los, ohne das mit ihrem Mann noch weiter zu besprechen.
Dieser gerät darüber so in Rage, dass er ihre Kreditkarte sperrt.

Durch eine dermaßen verblüffend konsistente Einführung gut vorbereitet, wird dem geneigten Zuschauer also im weiteren Verlauf klar gemacht, dass das Mädel eine Abspaltung „alles Guten“ eines anderen Kindes ist, welches seit dreißig Jahren nach Rache dafür trachtet, vom Sektenmob der Stadt verbrannt worden zu sein, weil es ein uneheliches Kind war.
Außerdem ist Silent Hill nicht nur durch tiefe Schluchten von der Außenwelt abgeschnitten, sondern auch samt der Bewohner in eine Parallelwelt gerissen worden, die ab und zu von grausam brutalen Dämonenwesen heimgesucht wird, welche sich aber nicht in die Kirche der örtlichen Sekte trauen, weil da „der Glaube“ so stark ist.
Deshalb kann das rachedurstige Mädel dort auch nicht hin – es sei denn, die Adoptivmutter der gutartigen Abspaltung kommt gerade vorbei und trägt die Nemesis mit sich in die Kirche hinein.

Da diese selbstverständlich sofort überzeugt ist, so einen kleinen Rachefeldzug zu veranstalten, gibt’s dann bald den Showdown Böse-gegen-Böse und alle, die übrigbleiben, sind offenbar das Mädchen (in welcher Version ist nicht ganz klar) und ihre leibliche sowie die nicht-leibliche Mutter.
In die „richtige Welt“ kommt aber trotzdem keiner von denen.
Obwohl die tiefen Schluchten sich als doch gar kein Hindernis entpuppen.

Seh ich diesen Film falsch oder so?
Hab ich kurz geblinzelt, als der geniale Teil kam?
Sind Horrorfilme nun mal so, und da denkt man nicht nach?

Positiv verbuchen kann man sicher die netten Kamerafahrten.
Und dass fast alle wichtigen Rollen durch (recht starke) Frauen besetzt sind. Aber echtes Neuland ist das auch nur bedingt, Sigourney Weaver und Linda Hamilton waren da schon mal.

Die Nebencharaktere bleiben hingegen reichlich flach, der Handlungsablauf neigt zum Klischee und die Dialoge sind furchtbar geistlos.
Außerdem ist sich dieser Schinken nicht zu schade, offen in längst ausgelutschten Motiven rumzuwildern. Blutende Wände, ein Autounfall mit einer jungen Fußgängerin auf der Straße, Ascheregen, „Lichtwelt“-„Dunkelwelt“-Dialektik, der bösartige Opferkult samt Hohepriester, der enge Raum, in dem die Protagonistin von durch die Tür stechenden Klingen malträriert wird… alles schon mal gesehen und alles nicht grad originell verarbeitet.

Aber das wäre ja alles noch verzeihlich, wenn die Geschichte irgendwie brauchbar wäre. Die jedoch ist das mMn größte Problem von „Silent Hill“.
Würden wenigstens ein paar plausible Dinge passieren, die die Story wirklich stimmig vorantreiben, hätte ich den Eindruck bekommen, dass da eben handwerkliche Mängel vorliegen.
Da aber die Story nur dazu dient, nervige Schocker-Szenen zu entschuldigen, fühle ich mich irgendwie um meine Aufmerksamkeit betrogen und verstehe den Film eben als niveaulosen Quatsch.

3/10 verunstaltete Zeichnungen.


  1. Na gut, zumindest bedeutet Zweiteres, dass ich unter Anderem „Street Fighter“, „Mortal Kombat“, „Tomb Raider“ und den „Super Mario“-Film schlechter fand.
    Klingt für mich nach viel, viel Potenzial für zukünftige Spielverfilmungen.[]
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Responses

  1. […] Davon abgesehen gibt es am Spiel aber wenig zu meckern (von einigen Logikfehlern abgesehen, aber bei Horror muss schenbar bereit sein, die Dinger in rauhen Mengen zu akzeptieren), im Gegenteil ist das ein Heidenspaß für ein paar Spielstunden im […]

  2. […] hier umschifft “Notes” einen verbreiteten Fehler: Nie dient der Plot nur als Vehikel, um noch einen weiteren billigen Schocker auf uns loszulassen, sondern jedes Stück des eher subtilen Horrors hat seine Berechtigung in der Welt, in der sich […]


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